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Nächtliches

Frische Pizza

Kam von einer Univeranstaltung. Es gab Gespräche mit Profs umsonst, aber  sonst nichts. War hungrig, als ich ankam, bestellte ein Bier, das gut schmeckte. Der Rest des Abends plätscherte so dahin, Studenten gingen, Professoren gingen noch früher.

Schließlich entschied ich mich auch zum Aufbruch, brach mit den anderen, die Bahnfahren wollten, ging zu Fuß. Ich hatte Hunger, oh, so Hunger, aber nichts zu essen. Ich war  schon fast zu Hause, da erreichte ein Duft meine Nase....hmmmm...lasst mich nicht übertreiben. Wer je verhungert ist, kennt das. Ein junger Mann überholte mich, wie im Märchen zwei Pizzakartons in der Hand, die rochen wie ein modernes Grimm.

"Machste ein?" sagte er und ich dachte, er wollte er gerade Kunst für. lau.

14.9.10 22:43


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Alles Gute kommt von Oben

Wir haben gerade fertig gepackt, als der Widersacher erneut in den Raum platzt. Seine Nase ist blutig, Cly hat sie ihm gebrochen. Er zerschmettert den Glastisch, unter dem die Messersammlung liegt und Musik jault, von Glassplittern getroffen oder vor Schreck in welche getreten, auf. Cly wirft die Reste der Glasscheibe nach dem Widersacher mit dem irren Blick und ich weiß, es ist vorbei mit uns. Jemand schreit. Es poltert. Ich wache auf.

 

Das Fenster ist weit offen, der geschenkte Ventilator läuft auf Stufe drei. Es ist auch drei. Und das dritte Mal diese Nacht, dass ein Albtraum mich weckt. Habe ich geschrien? Nach dem ersten Mal nahm ich eine normale Dosis meiner Schlaftabletten. Nach dem zweiten Mal die doppelte Dosis und hier bin ich. Traue mich kaum aufzustehen und mache dann überall das Licht an. Checke zum wiederholten Mal, ob die Kette vorgelegt  ist. Schließe dann das Fenster und stelle den Ventilator aus. Überprüfe den Mondstand, nein, nur Halbmond. Ziehe die Vorhänge zu. Die Müdigkeit liegt so bleiern auf mir. Aber drei Mal ist genug.

2.7.10 03:32


Bildung

Ich wache auf, weil die Vögel so laut zwitschern. Es klingt, als wollten sie mir unbedingt mitteilen, was ich eh schon weiß: Ich bin nicht zu Hause, sondern hunderte von Kilometern entfernt, gestrandet an einem Fluss, der nicht zu meiner Route gehörte, aber an der Seite eines Mannes, der Teil meines Lebens ist.

 

Er schläft noch ruhig neben mir und wacht erst auf, als ich nach einigen Minuten krampfhaften Stillliegens ins Bad aufbreche, an dessen Lage ich mich dunkel erinnern kann. Die Uhr im Bad zeigt Mitternacht, die Uhr im Flur schon 5 Uhr in der Früh. Ich fasse ihm in die Hose, um ihn zu wecken, bis er mich darauf aufmerksam macht, dass keine der Uhren richtig geht. Es ist gerade halb vier. Die Vögel komponieren rauschende Arien, die sie in zehn Minuten wieder vergessen haben werden. Wir küssen uns.

22.3.10 13:31


Die Dummheit, die mit Sekt in der U-Bahn begann

Marcus hatte mich mal wieder eingeladen. Man plante, in größerer Runde zunächst bei ihm zu Hause im WG-Zimmer mit dem Kamin vorzuglühen und anschließend auf die allsemesterliche Party der Sonderpädagogen zu gehen, um den Beginn des Wintersemesters gebührend zu feiern. Als ich eintraf, war es noch relativ ruhig und ich trank schnell zwei Bier, um den anderen ein Vorbild und nicht so nervös zu sein. Nach und nach trudelten immer mehr Leute ein, bis ich den Überblick verlor und sogar bei den Mädels auf dem Sofa landete. Ich gab mein Bestes, ihren Gesprächen zu folgen und überlegte kurz, mich ihrem Cappucinogetrinke anzuschließen, entschied mich dann aber doch wieder anders, als einer der Jungs brüllte, die Weinbrandflasche wäre bereit, geköpft zu werden. Ich fühlte mich leicht und beschwingt, irgendwie war ich gar nicht richtig da.

Nach ein paar Stunden machten wir uns auf den Weg zur U-Bahn. Ich trottete vor den anderen her, weil ich irgendwie immer die schnellste bin und riss ein paar Witze, die niemand hörte. In der Bahn setzte sich ein kleiner Franzose aus unserer Gesellschaft neben mich. Er war wirklich klein...höchstens so groß wie ich. Er sah komisch unförmig aus, was sich aber doch nur als Sektflasche in seinem blauen Anorak herausstellte, die er stilvoll in der Bahn knallen ließ und anschließend herumreichte. Sekt trinke ich eigentlich jeden Morgen, trotzdem fällt es mir schwer, aus einer großen Flasche nicht alles davon in die Nase zu bekommen. Die Mädels waren plötzlich auch ganz groß dabei und ich glaube, eine setzte sich sogar auf meinen Schoß, was mich erröten und beschämt aus dem Fenster gucken ließ. Die Flasche war schneller weg, als ich mitverfolgen konnte und schon waren wir da. Irgendwo am Hauptbahnhof, der Eingang hinter irgendwelchen Hecken. Hey...lallte ich...ich glaub, hier war ich schon mal mitm Deutsch-LK. Wie üblich interessierte das niemanden, aber ich war trotzdem die erste, die drinnen war. Das Mädchen aus der Bahn klebte mir immer noch an den Fersen und wir beschlossen gemeinsam, erst einmal unsere Jacken zur Garderobe zu geben und zur Toilette zu gehen. Ich fühlte mich etwas fehl am Platz.

In der Halle sah man, wie provisorisch alles aufgebaut war, die Musik war daneben und zu laut, aber das Bier war günstig. Ich war bei meiner dritten Flasche, als das Mädchen, dessen Namen ich bis heute nicht weiß, neben mir auftauchte, es sich dann doch anders überlegte, sich umdrehte, wild zu tanzen anfing und den Ellbogen gegen die gerade von mir zum Mund geführte Flasche stieß. Rammte. Ich hörte es nur knirschen und schmeckte Blut auf meiner Lippe. Verflucht, war ich sauer. Ich rannte zu den Spiegeln in den Damentoiletten und besah mir das Ergebnis. Eine Ecke am Vorderzahn abgebrochen, die mir riesig erschien. Es bröselte noch vom Zahn. Die Lippe etwas aufgerissen. Mein Blut brodelte leise vor Wut. Warum ich nie mit Mädels was unternehme...ich weiß es, dachte ich. Ich ging zurück in die Halle, stellte mich hinter einen Baum, um mein Bier schnell auszutrinken und schlenderte wütend umher. Immer, wenn ich an späteren Flaschen trank, stellte ich mich dafür in eine der hintersten Ecken, mit dem Rücken zum Raum. Niemand interessierte sich für mich, nicht einmal der kleine Franzose. Ständig fuhr ich mit der Zunge über meinen Zahn, bis ich die Musik nicht mehr ertragen konnte. Ich ging nach draußen und dachte nach. Mir fiel ein, dass in der Nähe mein Exfreund Tim wohnte und ich schrieb ihm eine wehmütige SMS. Nur zwei Minuten später vibrierte mein Handy und er lud mich ein, noch vorbei zu kommen. Ich sollte es nicht tun, fuhr es kurz durch mein Gehirn. Tim war ziemlich von mir besessen gewesen. Zwei Beziehungen mit nicht zu kurzer Unterbrechung lagen hinter uns, die Zeit dazwischen mehr als doppelt so lange wie die zwei kurzen gemeinsamen Episoden. Ein Typ, bei dessen Anblick mir das Wasser im Mund zusammenläuft. Auf der Arbeit hatte er mich verlässlich ignoriert, hochnäsig, arrogant war er mit Kunden umgegangen und ich schmolz leise dahin. Kurz vor Aufhebung seines Vertrages wagte ich es, ihn nach seiner Nummer zu fragen und war erstaunt, als er träumerisch sagte, das hätte er sich nie vorzustellen gewagt. Nach vier Tagen erklärte ich ihm, dass es doch nicht ginge, denn ich steckte in einer Affäre mit einem verheirateten Mann, der versuchte, mir einzureden, dass er seine Ehe aufgeben wolle für mich. Es gab also wichtigeres zu klären. Der starke, große Tim klappte zusammen, heulte Rotz und Wasser und flehte mich an, es mir nochmal zu überlegen. Er tat mir sehr leid, aber unter den Umständen war das natürlich nicht denkbar. Ein paar Monate später wurde ich in einer Vorlesung über das menschliche Wesen sehr sentimental und meldete mich spontan wieder bei ihm, woraufhin wir wieder zusammen kamen. Wir stritten ständig. Darüber, dass ich seine Wohngegend schäbig fand und Angst hatte, nachts durch die Straßen zu gehen. Darüber, dass...keine Ahnung. Ist mir wohl alles entfallen. Jedenfalls brach ich nach einiger Zeit wieder mit ihm und hatte mich seitdem nicht mehr bei ihm gemeldet.

An dem Abend sehnte ich mich wieder nach ihm. Seinem starken Kinn, dem schütteren Haar, seiner Weltgewandtheit, seiner Intelligenz, seiner Verschrobenheit. Kurzerhand ging ich also einfach. Ich verabschiedete mich von niemandem, ich hätte es höchstens noch bei Marcus für angebracht gehalten, aber der war schon seit Stunden spurlos verschollen. Auf dem Weg zu Tims Wohnung wurde mir bewusst, wie betrunken ich war, als ich mich kurz an einem Busch festzuhalten versuchte. Es war kalt, aber ich spürte die Kälte nicht, denn in mir brodelte es immer noch heiß und ich sah immer wieder in Zeitlupe den ausfahrenden Arm vor mir, die dunklen Locken des Mädchens. Ich klingelte bei Tim und als er öffnete, erkannte ich seinen Geruch wieder und mir fiel ein, warum ich Schluss gemacht hatte, zwei Mal. Egal. Das nächste, woran ich mich erinnere, ist, auf ihm zu sitzen und ihn anzufeuern, seinen Schwanz aber trotzdem immer wieder zu verlieren. Auch eine Szene, die mir nicht unbekannt vorkam. Er wimmerte und sagte schließlich, er hätte es sich schon zwei Mal gemacht heute, da wäre wohl nichts mehr zu machen. Er schwitzte und stöhnte. Ich legte mich an die Kante seines Bettes, das so stark nach ihm roch und ließ mich von seiner Erzählung über die Frau, mit der er sich die Zwischenzeit vertrieben hatte, die aber in nichts mit mir vergleichbar gewesen war, in den Schlaf tragen. Um halb sechs wachte ich auf und wurde mir schlagartig der großen Dummheit bewusst, die ich angestellt hatte. Ich fluchte innerlich und versuchte mich leise aus dem Bett zu schleichen, aber er wurde wach und schlug ein gemeinsames Frühstück vor.

"Äh nein...ich glaube, meine Eltern wundern sich schon, wo ich bin." Als wenn es meinen Eltern aufgefallen wäre. Sie würden das Licht draußen brennen sehen und entweder denken, ich hätte vergessen, es auszumachen oder sei schon um fünf zur Uni aufgebrochen, was durchaus oft genug vorkam. "Meldest du dich?", fragte er und sah mich mit großen Augen an. "Hmmja, klar." Er schlug die Decke zurück, ich konnte seinen schrumpeligen Penis sehen und kniff schnell die Augen zusammen, während er beteuerte, wie froh er sei, dass wir wieder zusammen seien. "Darf ich dich zum Essen einladen, heute abend?" "Hmm...mal schauen, ok?"

Schnell verließ ich seine Wohnung, atmete die kalte Morgenluft ein und machte mich auf die Suche nach einer U-Bahnstation. Diesmal ohne unförmige Franzosen mit Sekt in der Jacke.

25.12.08 09:38


Eingewiesen

Ich stehe vor gepackten Koffern und warte auf den Bus, der mich in die Anstalt bringen soll. Ganz alleine stehe ich an der Haltestelle und warte, auch der Bus ist leer bis auf den Busfahrer. Ich lehne meine Stirn an die Scheibe und spüre die Kälte und das brummende Rattern des Motors, das durch meinen Körper fährt. In der Anstalt herrscht reger Betrieb. Ich bin nicht die einzige, die heute angekommen ist, es sind noch ein gutes Dutzend anderer Mädchen da. Einige davon kommen mir bekannt vor und ich fühle mich wegen der ganzen Aufregung fast wie auf den Chorfahrten früher. Aber ich habe keine Lust, mir das Zimmer zu teilen. Ich finde noch ein leeres Vierbettzimmer und fange an auszupacken, doch es kommen doch noch zwei Mädchen dazu, die mir auf Anhieb unsympathisch sind.

Die Tage vergehen und ich gebe mein Bestes, mich immer weiter von den anderen abzusondern. Ich habe keine Lust auf ihr Gekreische, ihr Getuschel und die Lästereien. Mich verwundert, dass kein Therapeut auf mich zukommt, aber nein, alle lassen mich in Ruhe. Ich habe Beruhigungstabletten bekommen und probiert. Sie bringen mich dazu, dass ich mich fühle, als säße ich in mir selber. Ich bin ganz ruhig, aber hellwach und konzentriert. An einem Tag schlägt eine der Betreuerinnen einen Ausflug vor. Wer nicht mitfahren möchte, kann zu Fuß in den Ort gehen. Ich gehe in den Ort, muss über ein paar Wiesen und durch einen Wald gehen. Als ich mich umdrehe, sehe ich hinter mir die Anstalt und den Bus mit den kreischenden Mädchen. Fast alle außer mir sind abgefahren. Ich wühle in meiner Tasche und nehme noch eine Beruhigungstablette. Die Geräusche im Wald sind laut und intensiv. Nach dem langen Spaziergang beschließe ich, langsam wieder zurückzukehren. Ich spiele mit dem Gedanken, einfach zu verschwinden, aber meine Füße bringen mich doch zur Anstalt zurück. Ich nehme noch eine Tablette. Auf einem steil bergauf ragenden Stück einer schmalen Straße treffe ich überraschend meinen Pfarrer, der mit zwei Jungen und einem anderen Mann Fußball spielt. Er lacht mich an.

"Ich hab schon gehört, dass du jetzt in der Klapse bist. Wollte eigentlich mal vorbeikommen, um dich ein bisschen zu seelenklempnern."

Ich weiß nicht, ob ich das nett finden soll. Es ist mir unangenehm, dass die Jungen es hören.

"Achja, mach dir mal keine Sorgen. Du wirst schon wieder normal. Aber glaub nicht, dass das schnell geht. Ich würde schätzen, so in 22 Jahren bist du wieder normal." Er runzelt die Stirn. "Ja doch, 22 Jahre."

Ich verabschiede mich. 22 Jahre. Ich greife nach der Schachtel mit den Tabletten, damit ich wieder nur mich selbst höre. Die Anstalt liegt zwischen Bäumen. Sie besteht aus mehreren alten Gebäuden und ist hübsch. Ich frage mich, warum mich niemand gezwungen hat, an Gruppentherapien teilzunehmen, oder an Kunstkursen. Nicht einmal zum Tischtennis hat mich jemand aufgefordert. Ich überlege schon, es von mir aus vorzuschlagen, aber dann fällt mir auf, dass es ihnen fast gelungen ist, meinen Willen zu brechen und ich beschließe, das Wort Kunstkurs oder Tischtennis nicht mehr zu erwähnen. Ich umrunde das Eingangsgebäude der Anstalt und betrete mein Wohnhaus, das viele verwinkelte Treppen hat. Mein Zimmer liegt im Keller. In den oberen Stockwerken wird gerade überprüft, ob alle Mädchen, die bei dem Ausflug waren, wieder in ihren Betten liegen. Als ich in den Keller gehe, verfolgt mich eine der Therapeutinnen. Sie ist jung und hat Ähnlichkeit mit einer ehemaligen Dozentin von mir, aber sie erscheint mir böse und hinterhältig. Sie setzt sich auf das Bett einer meiner Zimmergenossinen und will mit mir reden. Fragt mich, warum ich so verrückt bin und nicht lebensfähig. Ich entgegne ihr, dass ich das sehr wohl bin, da meint sie, ich hätte nicht einmal mein Bett bezogen. Das stimmt aber gar nicht, ich habe sogar drei Bettdecken mit meinem Bettzeug bezogen, nur die vierte, die trägt noch die Wäsche von der Anstalt. Sie meint, es wäre verrückt, mit vier Decken zu schlafen. Sie macht mich wahnsinnig. Sie will, dass ich zugebe, dass ich verückt bin.

Hemingway vermisst Emily Dickinson, die sich auf eine leidenschaftliche Liaison mit James, dem Butler, eingelassen hat. Bei seinem Versuch, ihr Liebesnest, den Dachboden, zu erklimmen, stürzt er eine Etage tiefer und ich wache auf.

6.10.07 09:39


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