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Männer

Killing me softly

Seit ein paar Wochen nehme ich nun die neuen Tabletten. Es ist eingetreten, was der Therapeut versprochen hat, ich habe mehr Energie und bin viel unterwegs. Musik freut das. Ich bin nicht zufrieden... Ich habe komischerweise seitdem wieder eine Handvoll Verehrer, die sich überschlagen, um mich sehen zu können. Die Erwählten bekommen von mir etwas Auserwähltes, aber ich lasse niemanden an mich ran. Wie Alexander.

Alexander kenne ich schon lange. Wir trafen uns bei einem gemeinsamen Hobby und schon als ich ihn zum ersten Mal sah, wusste ich, dass zwischen uns etwas laufen würde. Erst ein Jahr später lagen wir gemeinsam auf meinem Bett in der Jugendherberge und betrieben heftiges Petting. Er war sehr sperrig und steif, und erst später gestand er mir, es habe daran gelegen, dass er noch seine Schuhe trug und meine Bettwäsche nicht schmutzig machen wollte, da musste ich lachen. Wir gingen einige Male miteinander aus, verbrachten auch Silvester miteinander. Alex erzählte mir, er sei früher manisch-deressiv gewesen. Er hatte einmal in seinem Vorgarten eine Chorizo vergraben und glaubte bis heute daran, daraus könne mal ein Chorizo-Baum wachsen.  In seinem Bad stapelten sich die Pillen und eine Folge daraus war, dass er nie kommen konnte, so sehr ich mich auch bemühte. Manches Mal verschlief er unsere Verabredungen. Ich traf ihn oft im Schlafanzug, auch mitten am Tag, und ich verabscheue Schlafanzüge. Es kam wie immer, er rief mich an, und zwar jeden Tag fünf Mal. Ich programmierte meinen Anrufbeantworter neu und ließ ihn jedes Mal drauf sprechen, aber er wurde nicht müde, obwohl ich deutliche Worte gefunden hatte. Eines Tages fragte er mich, ob ich ihn heiraten wolle.

 

Seit ein paar Wochen ruft er nicht mehr an. Ich frage mich, was da passiert ist.

15.6.12 02:20


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Das schlimmste Date meines Lebens

Danny kannte ich aus der Schule. Als er mir jedoch diese wichtige Erfahrung verschaffte, hatte er diese jedoch bereits abgebrochen. Besonders hervorgetan hatte er sich bis dahin lediglich beim Sport, ein Kampfgeist sonder gleichen, eher untersetzt als athletisch, aber von einem Siegeswillen besessen, der ihm Knochenbrüche und Platzverweise fast ebenso oft bescherte wie Siege. Wie sich herausstellte, legte er diese Entschlossenheit durchaus nicht in allen Bereichen des Lebens an den Tag. Ich war an ihm interessiert, und so lud er mich ein, einen Abend mit ihm zu verbringen. Die Gestaltung dieses Abends sah vor, dass wir uns mit Fahrrädern im Wald trafen, um "einem kleinen Picknick" beizuwohnen. Ich sollte Orangensaft und Becher einpacken, beschloss jedoch, mit Apfelsaft und Amaretto der Sache ein bisschen einzuheizen. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass diese Geschichte einige Jahre zurück liegt, man stelle sich meine Person jung, vorurteilsfrei und hoffnungslos naiv vor. Wie sich herausstellte, war meine Sorge unbegründet gewesen, denn Dannys Picknicktasche enthielt lediglich ein Paar Fußballschuhe, eine Tafel Traube-Nuss-Schokolade, eine Flasche Wodka und eine halbe Flasche Wodka Blutorange. Wir suchten uns dennoch einen Platz an einer kleinen Lichtung und, nachdem tatsächlich ein Reh das Weite gesucht hatte, machten es uns so bequem wie möglich. Danny berichtete von seinem letzten Fußballspiel und schimpfte über den Schiedsrichter. Eigentlich war er gerade wegen einer Bänderdehnung außer Gefecht gesetzt, hatte den Trainer aber so eindringlich bearbeitet, dass dieser ihn ersatzweise im Tor spielen ließ. Als Danny das dritte Tor einstecken musste, das er für "definitiv abseits" hielt, schlug er dem Torschützen von hinten - mitten während des Torjubels - mit seiner behandschuhten Faust auf den Kopf und wurde mit einer roten Karte vom Platz verwiesen. Damit ging er in die Annalen des Vereins ein als der erste Spieler, der im Invalidenzustand noch als  Torwart vom Platz flog. Die Geschichte regte ihn so auf, dass er die halbe Flasche Wodka-Blutorange versehentlich über meine Jacke kippte. Viel zu sagen hatte ich ihm nicht, aber ich war gespannt, wohin der Abend uns noch bringen würde. Eine Stunde später tauchten die Glühwürmchen auf und wir sprangen wie Kinder durch das hohe Gras und fingen einige Exemplare in der leeren Wodkaflasche. Gegen zehn jedoch wurde es so dunkel, dass auch das Leuchten in der Flasche nicht mehr genug Licht gab, um die Tafel Traube-Nuss-Schokolade zu finden, die irgendwo zwischen den Fahrrädern liegen musste. Danny schleppte einen großen Baumstamm an, in dem er sein Fahrrad so verkeilte, dass er in die Pedale treten und uns mit dem Dynamo Licht schenken konnte. Um damit die Schokolade zu suchen, mussten wir die FahrradLichtMaschine allerdings mehrfach umstellen. Schließlich fanden wir die Schokolade, die nicht mehr essbar war, sah sie doch so aus, als sei sie von einer Herde Seekühe zertrampelt worden war. Ich hielt die Reste der Schokolade in den Händen und war für einen Moment unachtsam, deswegen bemerkte ich nicht, wie  der Baumstamm verrutschte und  Danny langsam mit der Lichtmaschine zu Boden krachte.  Er rieb sich die Rippen und bestand darauf, dass ich ab jetzt für die Beleuchtung zuständig sei, worauf ich aber keine Lust hatte, so schwangen wir uns auf die Fahrräder und drehten ein paar wackelige Runden durch den Wald, wo wir einige zwielichte Gestalten trafen. Mit allen unterhielt Danny sich prächtig. Schließlich ließen wir auf meinen eindrücklichen Wunsch den Wald hinter uns und fuhren auf Dannys Empfehlung hin zu einer Kneipe, in der tatsächlich noch Betrieb war.  Eine Gruppe junger Leute spielte an einem der Tische ein Würfelspiel und ein paar alte Gestalten saßen an der Theke. Danny entdeckte im hinteren Bereich ein Dartbrett und versuchte mich zu einem Spiel zu überreden. Ich weiß jedoch, wie schlecht ich schon nüchtern werfe, und lehnte ab, was ihn von seinem Vorhaben nicht abbrachte. Mit dem Versprechen, die Spiele selber zu bezahlen, brachte er die Würfelgruppe, die sich gerade auflöste, dazu, ihn herauszufordern. Ich saß auf einem Barhocker und hing meinen Gedanken nach, während Danny Runde um Runde verlor. Plötzlich brachte mir der Wirt ein Bier. Ich wollte abwinken, aber er zwinkerte auf eine unansehnliche Weise und verriet mir, dass das Bier bereits bezahlt war. Ich strahlte Danny an, doch der hatte gerade einen Pfeil Richtung Damentoilette geworfen, da hauchte mir jemand von rechts über die Schulter. "Hallo Süße," sprach da ein wilder Bart unter trüben Augen und ein muffiger Gestank stieg mir in die Nase. "Prost, ne?". Ich war kurz fassungslos, wie schnell mein sozialer Abstieg sich vollzogen hatte und rutschte dann schnell von meinem Barhocker. Wild fliegenden Pfeilen ausweichend flüchtete ich mich in die Damentoilette, wo ich mich in eine Kabine einschloss, missmutig gegen die
Kloschüssel trat und in das trübe Wasser spuckte. Ich wartete darauf, dass Danny kam, um nach mir zu sehen, aber nach einigen Minuten wurde es mir zu  dumm und ich ging nach ihm sehen. Der Penner,  der mir das Bier geschenkt hatte, saß noch auf seinem Platz und hatte mir auf einen Bierdeckel mit krakeliger Schrift seine Telefonnummer geschrieben, Danny und der Wirt kämpften erbittert am Dartbrett, sonst war niemand mehr zu sehen. Ich sah mich verzweifelt um und beschloss dann, dass es allerhöchste Zet war, diesem Trauerspiel ein Ende zu setzen. Ohne mich zu verabschieden verließ ich die Kneipe, schloss mein und Dannys Fahrrad auf und trat so schnell ich konnte in die Pedale.
16.12.08 12:40


Ben und die Panzerfaust

Als ich vor Urzeiten noch sportlich aktiv war, lernte ich Svenja und Ben kennen. Svenja war auch sportlich. Ben war ein Koloss. Er kam nur mit, um Svenja zuzusehen, und außerdem war immer Zeit für ein Bierchen und zwei, drei Schachteln Zigaretten davor und danach. In der Gesellschaft nahm ich gerne mein kurz zuvor verworfenes Dauertrinken wieder auf, und schloss mich den beiden an. Svenja war etwas pummelig, hatte aber trotzdem wegen ihrer katzenhaft schräg stehenden Augen einen spitzbübischen Ausdruck. Der täuschte, denn besonders schlau war sie nicht. Sie steckte noch in der Ausbildung und versemmelte eine Prüfung nach der anderen - Ben war schon weiter, nämlich arbeitslos. Er saß den ganzen Tag auf seinem Sofa und wartete darauf, dass Svenja nach Hause kam, um mit ihr zum Pseudosport zu fahren. Außer Samstags, denn da war Fußball. Dennoch...immer wenn ich ihn ansah, konnte ich meine Eierstöcke vibrieren fühlen. Seine großen Lippen wollten von mir einfach geküsst werden, und ich stellte mir vor, wie ich in seinem Fleisch versank. Er war nicht nur dick, er war auch unglaublich kräftig und durchaus geschickt. Einmal steckte einer der Fahrer mit einem Anhänger, den er manövrieren wollte, fest und war absolut ratlos. Ben sprang kurzerhand ein und lenkte ohne Zögern perfekt in die Lücke. Das machte mich noch viel heißer auf ihn.

Eines Samstags lud Svenja mich in Bens Wohnung ein. Ben war gerade vom Fußball gekommen, er stank nach Bier und war schon tief besoffen. Ich hatte einen Kasten Bier mitgebracht, und damals war ich noch nicht knausrig. Ich war mir nicht ganz sicher, was die beiden von mir wollten und ich fühlte mich etwas unwohl. In solchen Situationen greife ich ja besonders gerne zum beruhigenden Alkohol. Svenja kramte in den Videokassetten und holte vier heraus, die sie bei Turnieren zeigten oder wahlweise auch ihre Haustiere, in allen Altersstufen. Nach endlos langen vier Stunden hatten wir alles gesehen. Ich beteuerte wiederholt, dass sie toll aussah, dass ihre Tiere toll aussahen, dass ein letzter Platz ja der erste von hinten sei und langweilte mich sehr. Ben war zwischenzeitlich auf dem Sofa eingeschlafen, erwachte aber zum Ende des letzten Videos und fing an, Svenja zu begrapschen. Er war besoffen und scharf, das war unverkennbar. Svenja lachte und schubste ihn zu Seite und da fragte ich mich zum ersten Mal, ob die beiden mich eingeladen hatten, um mich in einen Dreier zu verwickeln. Ich blieb trotzdem, denn irgendwie wollte ich wissen, was passieren sollte.

Nun, erst mal nichts. Wir soffen und soffen, bis der Kasten tatsächlich leer war. Zumindest nehme ich das an, denn am nächsten Morgen war nichts mehr übrig. So genau weiß ich das nicht mehr, denn irgendwo fehlt mir ein Stückchen. Nachdem wir entschieden hatten, wer wo schlafen sollte (Svenja und ich in Bens Doppelbett und er auf dem Sofa), zogen Svenja und ich uns der Bequemlichkeit wegen schon mal aus, und Svenja kramte erotische Fotos von sich hervor. Ich bewunderte auch diese, obwohl sie mich nun wirklich nicht scharf machten. Das nächste, was ich wieder weiß, ist, wie ich auf der Arbeitsplatte in der Küche sitze und unbequemen Sex mit Ben habe. Obwohl die Höhe eigentlich optimal ist, rutscht er immer wieder ab. "Ich hab zu viel getrunken", lallt er in mein Ohr, und wir ziehen um ins Wohnzimmer. Er legt sich auf das Sofa und ich reite ihn, bis wir schweißnass sind, aber er kommt nicht, deswegen nehme ich seinen Schwanz in den Mund und bearbeite ihn, bis er doch endlich kommt.

Am nächsten Morgen wache ich auf dem Sofa auf und bin nackt. Ben liegt auf dem anderen Sofa, ein riesieger, schnarchender Berg. Mir wird klar, was ich getan habe und eine heiße Welle des Schamgefühls überkommt micht. Jetzt finde ich ihn gar nicht mehr sexy. Ich schleiche ins Schlafzimmer, tatsächlich liegt Svenja da in tiefem Schlaf. Leise lege ich mich neben sie und starre an die Decke und den ganzen Kram, der an den Wänden gestapelt ist. Zwei Stunden später, es ist halb neun, stehe ich wieder auf, ziehe mich an und gehe durch die Wohnung. Die beiden schlafen immer noch, und erwecken nicht den Anschein, als wollten sie innerhalb der nächsten vierzehn Stunden aufstehen. Mein schlechtes Gewissen treibt mich aus der Wohnung, ich hinterlasse einen Zettel, auf dem nur "Sorry" steht, und düse mit meinem Auto nach Hause.

Später am Tag klingelt mein Handy. Svenja ist dran. Wer so dumm ist wie ich, muss da auch durch, denke ich wütend. "Ey, Meriche, warum bist du einfach abgehauen? Ich dachte, wir wollten zusammen frühstücken! Außerdem durfest du noch gar nicht wieder fahren, nä? Ich hab jedenfalls jetzt noch ordentlich einen sitzen, boah. Naja, sehen wir uns heute abend?"

Als ich Ben das nächste Mal beim Sport treffe, passe ich einen unbeobachteten Moment ab. Ihm ist das sehr peinlich, man merkt es. "Sie weiß nichts?", frage ich ihn. "Sie ist heulend abgezogen in der Nacht, aber sie hat alles vergessen. Trotzdem fühle ich mich so schuldig", sagt er, und er sieht wirklich nicht gut aus. Ich bedränge ihn, uns einmal auszusprechen und er gibt nach, erwartet mich am nächsten Tag in seiner Wohnung.

Dort sitzen wir uns betreten gegenüber und glotzen in den Scheißfernseher. Dann beschließen wir, dass es nur ein Ausrutscher war, dass es niemals wieder vorkommen wird und vor allem, dass niemand davon erfahren darf. "Gib mir einen letzten Kuss, deine Lippen sind so weich", sagt er und zwinkert unbeholfen. Zwei Stunden später klettere ich wieder in meine Klamotten und fahre zitterig, aber hoch befriedigt nach Hause. Das Spielchen wiederholen wir noch zwei Mal. Es darf nie wieder passieren - na gut, ein letztes Mal noch.

Svenja fragt mich am 31., was ich denn an Silvester vorhabe. Nichts, wie immer eigentlich. Schulpartys gibt es schon lange nicht mehr. Sie lädt mich ein, einer ihrer Cousins feiert am Abend. Ok, warum nicht? Hauptsache, Ben ist dabei. Ich mache mich extra schick und style mich auf, als ginge ich zu einer Gala und ich weiß, dass Ben Probleme hat, nicht zu sabbern, als er meinen Ausschnitt sieht. Die beiden warnen mich vor den Cousins, die jeden abfüllen wollen. Ich solle bloß nicht mit ihnen trinken, das würde böse enden.

Die Party entpuppt sich als Familientreffen. Kinder sind dabei, Onkels und Tanten, und vielleicht acht junge Leute. Ich mag auf Anhieb niemanden, aber ich seh gut aus und alle Jungs starren auf meine Brüste, das reicht. Außerdem sitzt Ben mir gegenüber und ich schenke ihm verführerische Blicke, die ihn nervös machen. Er und Svenja lassen sich nicht lange bitten und kippen jeden Schnaps, den die bösen Cousins herumreichen. Ich lasse es ihrem Rat zufolge langsam angehen und trinke sogar ein fades Glas Wasser zwischendurch. Alle halten mich für einen Langweiler, aber ich seh gut aus, und meine Brüste. Um Mitternacht wird ein bisschen Lärm gemacht. Ich begnüge mich wie üblich aus Vorsicht mit Wunderkerzen, bin ich doch ein wenig pyrophob, aber dann merke ich, dass ich noch kein Stück betrunken bin. Wie ärgerlich. Ben geht zurück ins Haus. Ich drücke Svenja meine restlichen Wunderkerzen in die Hand, sie jauchzt und stolpert fast. Ben ist oben im Bad und ich folge ihm einfach, um ihn bedingungslos abzuknutschen. "Und wenn jemand kommt? Hör auf, hör auf," jammert er, aber er will es doch auch.

Svenja ist peinlich blau und schlägt Ben, als er ihr verbietet, noch mehr Schnaps zu trinken. Wir beschließen zu gehen und ziehen Svenja nach draußen. Sie reißt sich los und fällt über den Bürgersteig, schlägt sich beide Knie auf und fängt an zu heulen. Ich helfe ihr hoch und trage sie nach Hause. Plötzlich lacht sie wieder und singt laut. Ben geht gute hundert Meter hinter uns, die Hände in die Taschen, er ist sauer. Ich auch. Ich bin nicht ansatzweise betrunken, muss eine Besoffene schleppen, die vermutlich gleich kotzen wird und Ben hilft mir nicht. Ein grandioser Start ins Jahr. Tatsächlich lässt Svenja noch einiges von dem Schnaps wieder vor der Haustür zurück, den Rest oben in der Toilette, während ich ihre Haare halte. Nachdem ich sie zu Bett gebracht habe, werde ich auch müde, trotzdem kann Silvester einfach nicht nüchtern sein und ich trinke zwei schnelle Bier in der Küche, bis ich wieder Kotzgeräusche aus dem Bad höre. Ich will ihr helfen, aber dieses Mal ist es Ben, der bis vorhin noch so furchtbar nüchtern tat. Ich lege ihm einen Waschlappen in den Nacken, aber er will mich nicht und scheucht mich ins Wohnzimmer, wo ich etwas trinke und darauf warte, dass er zu mir kommt.

Warnungen aussprechen und sich dann selber nicht daran halten - und mir einen schönen Neujahrsrausch völlig umsonst versauen.

Ben ist ziemlich angeschlagen, aber es reicht für Sex. Und danach ist für mich endgültig klar, dass die Fixation zu Ende ist.

Ein paar Wochen später erzählt Svenja mir traurig, dass sie den Verein wechseln wolle. Ob ich nicht mitkommen wolle? Ich lehne ab, und bis auf eine Party, bei der wir alle brav waren, habe ich beide nicht wieder gesehen.

25.12.08 09:34


Ich Moralapostel

Das alte Versicherungsproblem, das ich für dieses Jahr gelöst zu haben glaubte, ist wieder da, seit die Arztrechnungen zu zahlen sind, also verkaufe ich ein paar meiner Besitztümer. Wenige Schätzchen sind dabei, das meiste geht für wenige Euros weg, wenn denn überhaupt. Aber immerhin.

In Luftpolstertaschen verpackt trage ich die Büchersendungen zur Post, wo mich das Ende der Warteschlange schon vor der Eingangstür begrüßt. Warum das so ist, wird eine halbe Stunde später klar, als der Beamte vor mir endlos lange an der Plastikschachtel mit Musterumschlagklammern fummelt. Mein endgültiger Beschluss, in Zukunft doch mal die Packstationen zu probieren, fällt, nachdem er vier Klammern aus der 100er-Schachtel genommen hat und zu mir sagt: "So, jetzt haben Sie ja noch 94."

Vor der Post treffe ich Rick, der gegenüber arbeitet, wo ich auch mal gejobbt hab, nach dem Abi. In der Zeit tat ich nichts anderes als Erfahrungen zu sammeln, die sich in zwei Kategorien einteilten: Wichtig - unbedingt den Eltern und Tanten erzählen und Noch wichtiger, bloß nicht den Eltern und Tanten erzählen.

Rick zählte zur zweiten Kategorie. Er war klein und grau, durch und durch grau. Auf seinen linken Unterarm hatte er sich als Jugendlicher mit einem glühenden Gegenstand ein R eingebrannt. Dann hatte seine Freundin, mit der er das erste Mal Sex hatte, der so ausgiebig und tabulos war, dass seine Augen heute noch in Erinenrung daran glänzten, die Schachtel mit den Pillen hinter den Schrank fallen lassen und ihm nichts davon gesagt. Seinen Sohn hat er bis heute nicht gesehen. Später wurde er spielsüchtig, machte hohe Schulden. Es war deutlich, wie sehr es ihm schmeichelte, dass ich mit ihm flirtete. Verstohlen deutete er auf seinen Ehering, aber ich bin jung und wild und meine Grenzen sind variabel. Nach nicht einmal zwei Wochen hatte ich ihn geknackt und wir küssten uns in seinem Auto, auf halbem Weg zu mir nach Hause, weil seine Frau merken würde, wenn er zu spät käme. Seine Angst vor Entdeckung war so groß, dass er die verücktesten Regeln erfand, obwohl nicht einmal ein Blinder hätte übersehen können, dass wir eine heiße Affäre begonnen hatten. Nach und nach wurde er unvorsichtiger. Wir trafen uns bevorzugt am Wochenende, immer früh morgens, weil seine Frau bis mittags schlief, oder ich wartete nach meiner Arbeit in der Stadt auf ihn, besuchte Ausstellungen oder erkundete die entlegensten Winkel, bis er Feierabend hatte und wir einen Quickie im Auto hatten. Er gab sogar zwei Mal genug Geld aus, damit wir für ein paar Stunden in ein Hotel verschwinden konnten. Schließlich nahm er sich einen Tag frei und ich zufällig auch. Niemand wusste davon, also konnten wir um halb sieben, wenn wir eigentlich anfingen zu arbeiten, irgendwo anders sein und wir verbrachten endlich einmal einen ganzen Tag ausgelassen zusammen. Danach veränderte er sich. Er machte mir Geschenke, er schrieb mir SMS aus dem Urlaub mit seiner Frau. Immer häufiger verlor er sich in Tagträumereien, wie wir zusammen leben würden. Ich versuchte, ihn davon abzubringen, aber er hatte sich schon in mich verliebt. Fast unter Tränen versprach er mir, sich von seiner Frau zu trennen und nur für mich da zu sein, aber ich wollte das nicht und löste mich von ihm. Er war ein guter Kerl und damals zu gut für mich. Abgesehen davon, dass ich mich zu der Zeit noch in den Zukunftsvisionen mit einem gut situierten, groß gewachsenen Mann mit flotten Haaren und im Anzug vorstellte, konnte ich doch einfach nicht mit ihm umgehen. Seine starken Gefühle bedrängten mich und umrankten mich, ich hatte keine Zeit mehr für irgendetwas anderes, weil ich für ihn immer auf Abruf stand. Ich stürzte mich in andere Eskapaden, aber wir schrieben uns noch ab und zu, stets unter höchster Geheimhaltung, weil seine Frau, die natürlich wusste, was los gewesen war, mich und ihn auf der Stelle umgebracht hätte, wenn sie gewusst hätte, das wir noch immer in Kontakt standen.

Als ich ihn vor der Post erkannte, strahlte er. Seine Freude, mich wieder zu sehen, war riesig und er bequatschte mich, bis ich einstimmte, mit ihm einen Spaziergang durch den Wald zu machen. Er schien mir noch grauer zu sein, aber die Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit ließ mein Herz höher klopfen als ich gedacht hätte. Er umgarnte mich und versicherte mir, nichts in der Welt hätte er damals lieber gemacht, als sich von seiner Frau zu trennen, für mich, aber ich hätte ja nicht gewollt. Ich wurde wütend und fragte ihn, ob er das heute auch noch so sähe. Ja, ereiferte sich, auch nach den Jahren würde er immer noch ständig an mich denken. Aber...dann rückte er damit heraus. "Wir bekommen ein Kind!" Ich schwankte zwischen Entsetzen und Freude. Er hatte sich immer Kinder gewünscht. "Warum willst du dich dann von ihr trennen?" "Ich liebe sie nicht. Als du damals kamst, ist meine Liebe verflogen. Aber ich will Kinder und sie war meine letzte Chance...dich konnte ich nicht haben. Viel lieber hätte ich Kinder mit dir gehabt. Aber überleg mal, ich werde alt, wer will mich noch haben? Auch für sie war es die letzte Chance. Wir lieben uns nicht mehr und wir wissen es beide, aber wir wollten beide ein Kind. Es war künstliche Befruchtung." Das musste ich erst mal schlucken. Dann fand ich es unsagbar gemein. "Wie kann man ein Kind mit jemandem haben wollen, den man nicht liebt? Glaubst du nicht, dass das Kind es merken wird, wenn in der Beziehung der Eltern keine Liebe ist? Du bleibst nur wegen des Kindes bei ihr? Bist du ihr wenigstens treu?" Er schaute mich aus seinen grauen Augen an. "Im Moment ja. Aber wenn ich dich sehe, will ich ihr nicht treu sein." Er legte seine Hand auf meinen Rücken und zog mich zu sich. "Überleg es dir. Es könnte so sein wie früher, nur besser. Ich bin jetzt schuldenfrei." Tausend Dinge zogen durch meinen Kopf und ich ließ es zu, dass seine Hände über meinen Rücken wanderten, über meine Beine. Dann küsste er mich, den Hals hinauf bis auf die Lippen. Es fühlte sich beschissen an und ich entzog mich ihm.
Nein.
"Fandest du das nicht auch so schön wie früher?"
"Warum ist es anders?"
"Wovor hast du Angst?"
"Du hattest doch früher auch keine Bedenken!"
"Seit wann bist du so ein Moralapostel?"

Verwirrt fuhr ich nach Hause und jetzt sitze ich hier und hab schon wieder eine Mail im Postkasten. Leon soll der Kleine heißen.

24.3.09 00:44


Zehn Zehen

Liaisons mit Mitschülern können, und das ist ein Grundgesetz, nur in die Hose gehen. Da ich in den letzten Beiträgen in eben dieser Zeit verweile, bleibe ich auch gleich dort und mache es mir in der übergroßen und vollgestopften Schublade mit der Aufschrift "Schule" in meinem Kopf gemütlich. Vorne rechts bin ich auf die Sache mit Jan gestoßen.

Auf Jan selber bin ich im Geschichtsunterricht gestoßen, der wie die meisten anderen Fächer sterbenslangweilig war. Die Lehrerin litt bedauerlicherweise unter Magersucht und war zugleich bemerkenswert gut im Turnen. Wenn sie sich vorne mit dem knochigen Hintern an ihr Pult lehnte, setzte sie die dünnen Ärmchen darauf, spannte die Muskeln an und hob die stöckigen Beine waagerecht in die Höhe, dass uns die Luft wegblieb. Dann schlenderte sie durch den Klassenraum und suchte nach zwei Tischen, die so optimal nebeneinander standen, dass sie ihre Ärmchen, einen rechts, einen links, darauf stützen konnte und fing an, die Beine wie am Barren vor und zurück zu schwingen. Einmal hätte sie sich dabei beinahe überschlagen, so motiviert war sie bei der Sache, als sie sich über Hitler in Rage redete. Oder worüber auch immer. Im Geschichtsunterricht hat man immer das Gefühl, jedes vierte Wort ist Hitler. Und jedes zweite, für den Anspruch, Nationalsozialismus.
Mein Ziel in diesem Unterricht war jedenfalls, einen möglichst unterhaltsamen Platz zu bekommen. Neben Nina, der Streberin mit der ewig guten Laune war das nicht möglich, sie sagte immer "Psst, Meriche, was hat sie gerade über Hitler gesagt?" Da der Freund von Jan eine Auge auf Nina geworfen hatte, bat er mich, mit ihm den Platz zu tauschen. Ich zuckte nur die Schultern und lauschte dem Klang der Pumps, in denen viel zu dünne Füße steckten. Bis die Punps angekommen waren, saß ich schon weiter hinten neben Jan und war mir noch nicht so sicher, was ich davon halten sollte, denn ich kannte ihn gar nicht. Er hatte ein paar Kilo zu viel auf den Rippen, ein etwas teigiges Gesicht und verwegen gewuschelte braune Haare, die er ab und zu verrückt färbte. Einmal, aber das war erst später, probierte er Selbstbräuner aus und kam mit einem knallgelben Gesicht zur Schule. Es wäre nicht ganz so auffällig gewesen, hätte er nicht die Augenpartie großzügig ausgespart. So sah er aus wie ein gelber Panda  und die ganze Clique hat stundenlang herzhaft gelacht. Es stellte sich heraus, dass Jan war sehr eitel war, aber einige urkomische Späßchen auf Lager hatte. Die Geschichtsstunde war schneller um, als die Lehrerin ihre Beine vor und zurück schwingen konnte und ich beschloss, dort sitzen zu bleiben. Nach ein paar Wochen konnte ich anhand von Jans Armbanduhr, die er immer ausgestreckt zwischen uns auf den Tisch legte, exakt die letzten zehn Sekunden des Unterrichts runterzählen. Man musste nur um 1 Minute und 21 Sekunden zurückdenken, dann noch einmal zehn dazu und der Countdown ging los. Alle Umsitzenden schätzten mich dank dieser Fähigkeit sehr, Jan am allermeisten. So lud er mich eines Tages zu sich nach Hause ein, um für die Geschichtsarbeit zu lernen. Wir beide wussten, dass ich keine Ahnung von Geschichte hatte, dafür knutschten wir ausgiebig rum. Er zeigte mir sein Zimmer im Keller, das ein eigenes angrenzendes Bad besaß, wofür ich ihn sehr beneidete. Er ließ mich stolz die Musikboxen zählen, die er aufgestellt hatte, ich sah aber nur überall Kabel von den Wänden hängen. Dann legte er seine Lieblingsmusik, Madonna, auf und das Petting konnte losgehen. Ich war nicht seine erste Freundin, das wusste ich bereits, aber die andere muss wohl sehr verklemmt gewesen sein. Für ihn war es schon eine Überschreitung seiner Grenzen, sich angezogen auf mich zu legen und den Geschlechtsakt zu simulieren, was er dennoch ausführlich tat. Mir wurde sehr langweilig, aber ich wartete einfach ab, bis er fertig wurde. Ich weiß nicht, wie lange er weitergemacht hätte, wenn nicht plötzlich sein Vater an das Kellerfenster gebollert hätte. "Ich kann euch sehen!", kreischte der, hatte aber die Situation völlig missverstanden, weil er nur unsere Füße sehen konnte. Es war Sommer, und wir trugen beiden kurze Hosen. Ja...er auch. Also saßen wir beschämt nebeneinander auf dem Bett und mir blieb nichts anderes übrig, als auf seine Füße zu starren. Er hatte sehr lange Zehen, die so käsegelb waren, dass ich mir sicher war, sie würden nach Gouda riechen. Um nichts in der Welt wollte ich das aber ausprobieren. Auf jedem Zeh wuchsen drei schwarze Haare, auf dem großen sogar fünf. Sie kräuselten sich leicht. Die Zehennägel waren kurz, bis auf den kleinen rechten, an dem eine gelbliche Kalkecke abstand. Dann stürmte seine kleine Schwester den Raum und ich nutzte die Gelegenheit, um zu verschwinden. Ein paar Wochen trafen wir uns noch, aber dann machte er Schluss, weil wir miteinander Sex gehabt hatten. Bis heute habe ich nicht verstanden, warum, aber nach dem Sex war ich nicht besonders traurig, dass ich es nicht noch einmal durchleben durfte. Immer, wenn ich ihn später sah, musste ich an die Zehen denken. Neulich hat er sich mein Profil im Studivz angesehen. Ich war erstaunt, weil ich schon vergessen hatte, wie er heißt. Er ist immer noch teigig, aber er trägt keine Brille mehr und die Zehen konnte man nicht sehen. Besser so.

24.3.09 00:45





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