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Das schlimmste Date meines Lebens

Danny kannte ich aus der Schule. Als er mir jedoch diese wichtige Erfahrung verschaffte, hatte er diese jedoch bereits abgebrochen. Besonders hervorgetan hatte er sich bis dahin lediglich beim Sport, ein Kampfgeist sonder gleichen, eher untersetzt als athletisch, aber von einem Siegeswillen besessen, der ihm Knochenbrüche und Platzverweise fast ebenso oft bescherte wie Siege. Wie sich herausstellte, legte er diese Entschlossenheit durchaus nicht in allen Bereichen des Lebens an den Tag. Ich war an ihm interessiert, und so lud er mich ein, einen Abend mit ihm zu verbringen. Die Gestaltung dieses Abends sah vor, dass wir uns mit Fahrrädern im Wald trafen, um "einem kleinen Picknick" beizuwohnen. Ich sollte Orangensaft und Becher einpacken, beschloss jedoch, mit Apfelsaft und Amaretto der Sache ein bisschen einzuheizen. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass diese Geschichte einige Jahre zurück liegt, man stelle sich meine Person jung, vorurteilsfrei und hoffnungslos naiv vor. Wie sich herausstellte, war meine Sorge unbegründet gewesen, denn Dannys Picknicktasche enthielt lediglich ein Paar Fußballschuhe, eine Tafel Traube-Nuss-Schokolade, eine Flasche Wodka und eine halbe Flasche Wodka Blutorange. Wir suchten uns dennoch einen Platz an einer kleinen Lichtung und, nachdem tatsächlich ein Reh das Weite gesucht hatte, machten es uns so bequem wie möglich. Danny berichtete von seinem letzten Fußballspiel und schimpfte über den Schiedsrichter. Eigentlich war er gerade wegen einer Bänderdehnung außer Gefecht gesetzt, hatte den Trainer aber so eindringlich bearbeitet, dass dieser ihn ersatzweise im Tor spielen ließ. Als Danny das dritte Tor einstecken musste, das er für "definitiv abseits" hielt, schlug er dem Torschützen von hinten - mitten während des Torjubels - mit seiner behandschuhten Faust auf den Kopf und wurde mit einer roten Karte vom Platz verwiesen. Damit ging er in die Annalen des Vereins ein als der erste Spieler, der im Invalidenzustand noch als  Torwart vom Platz flog. Die Geschichte regte ihn so auf, dass er die halbe Flasche Wodka-Blutorange versehentlich über meine Jacke kippte. Viel zu sagen hatte ich ihm nicht, aber ich war gespannt, wohin der Abend uns noch bringen würde. Eine Stunde später tauchten die Glühwürmchen auf und wir sprangen wie Kinder durch das hohe Gras und fingen einige Exemplare in der leeren Wodkaflasche. Gegen zehn jedoch wurde es so dunkel, dass auch das Leuchten in der Flasche nicht mehr genug Licht gab, um die Tafel Traube-Nuss-Schokolade zu finden, die irgendwo zwischen den Fahrrädern liegen musste. Danny schleppte einen großen Baumstamm an, in dem er sein Fahrrad so verkeilte, dass er in die Pedale treten und uns mit dem Dynamo Licht schenken konnte. Um damit die Schokolade zu suchen, mussten wir die FahrradLichtMaschine allerdings mehrfach umstellen. Schließlich fanden wir die Schokolade, die nicht mehr essbar war, sah sie doch so aus, als sei sie von einer Herde Seekühe zertrampelt worden war. Ich hielt die Reste der Schokolade in den Händen und war für einen Moment unachtsam, deswegen bemerkte ich nicht, wie  der Baumstamm verrutschte und  Danny langsam mit der Lichtmaschine zu Boden krachte.  Er rieb sich die Rippen und bestand darauf, dass ich ab jetzt für die Beleuchtung zuständig sei, worauf ich aber keine Lust hatte, so schwangen wir uns auf die Fahrräder und drehten ein paar wackelige Runden durch den Wald, wo wir einige zwielichte Gestalten trafen. Mit allen unterhielt Danny sich prächtig. Schließlich ließen wir auf meinen eindrücklichen Wunsch den Wald hinter uns und fuhren auf Dannys Empfehlung hin zu einer Kneipe, in der tatsächlich noch Betrieb war.  Eine Gruppe junger Leute spielte an einem der Tische ein Würfelspiel und ein paar alte Gestalten saßen an der Theke. Danny entdeckte im hinteren Bereich ein Dartbrett und versuchte mich zu einem Spiel zu überreden. Ich weiß jedoch, wie schlecht ich schon nüchtern werfe, und lehnte ab, was ihn von seinem Vorhaben nicht abbrachte. Mit dem Versprechen, die Spiele selber zu bezahlen, brachte er die Würfelgruppe, die sich gerade auflöste, dazu, ihn herauszufordern. Ich saß auf einem Barhocker und hing meinen Gedanken nach, während Danny Runde um Runde verlor. Plötzlich brachte mir der Wirt ein Bier. Ich wollte abwinken, aber er zwinkerte auf eine unansehnliche Weise und verriet mir, dass das Bier bereits bezahlt war. Ich strahlte Danny an, doch der hatte gerade einen Pfeil Richtung Damentoilette geworfen, da hauchte mir jemand von rechts über die Schulter. "Hallo Süße," sprach da ein wilder Bart unter trüben Augen und ein muffiger Gestank stieg mir in die Nase. "Prost, ne?". Ich war kurz fassungslos, wie schnell mein sozialer Abstieg sich vollzogen hatte und rutschte dann schnell von meinem Barhocker. Wild fliegenden Pfeilen ausweichend flüchtete ich mich in die Damentoilette, wo ich mich in eine Kabine einschloss, missmutig gegen die
Kloschüssel trat und in das trübe Wasser spuckte. Ich wartete darauf, dass Danny kam, um nach mir zu sehen, aber nach einigen Minuten wurde es mir zu  dumm und ich ging nach ihm sehen. Der Penner,  der mir das Bier geschenkt hatte, saß noch auf seinem Platz und hatte mir auf einen Bierdeckel mit krakeliger Schrift seine Telefonnummer geschrieben, Danny und der Wirt kämpften erbittert am Dartbrett, sonst war niemand mehr zu sehen. Ich sah mich verzweifelt um und beschloss dann, dass es allerhöchste Zet war, diesem Trauerspiel ein Ende zu setzen. Ohne mich zu verabschieden verließ ich die Kneipe, schloss mein und Dannys Fahrrad auf und trat so schnell ich konnte in die Pedale.
16.12.08 12:40
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Denis / Website (21.12.08 16:07)
Was für eine Geschichte - ich glaube, in dem Alter habe ich so einiges verpasst.

Ich stelle es mir interessant vor, so etwas mal von dir als Podcast zu bekommen. Mhhh.

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