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Zehn Zehen

Liaisons mit Mitschülern können, und das ist ein Grundgesetz, nur in die Hose gehen. Da ich in den letzten Beiträgen in eben dieser Zeit verweile, bleibe ich auch gleich dort und mache es mir in der übergroßen und vollgestopften Schublade mit der Aufschrift "Schule" in meinem Kopf gemütlich. Vorne rechts bin ich auf die Sache mit Jan gestoßen.

Auf Jan selber bin ich im Geschichtsunterricht gestoßen, der wie die meisten anderen Fächer sterbenslangweilig war. Die Lehrerin litt bedauerlicherweise unter Magersucht und war zugleich bemerkenswert gut im Turnen. Wenn sie sich vorne mit dem knochigen Hintern an ihr Pult lehnte, setzte sie die dünnen Ärmchen darauf, spannte die Muskeln an und hob die stöckigen Beine waagerecht in die Höhe, dass uns die Luft wegblieb. Dann schlenderte sie durch den Klassenraum und suchte nach zwei Tischen, die so optimal nebeneinander standen, dass sie ihre Ärmchen, einen rechts, einen links, darauf stützen konnte und fing an, die Beine wie am Barren vor und zurück zu schwingen. Einmal hätte sie sich dabei beinahe überschlagen, so motiviert war sie bei der Sache, als sie sich über Hitler in Rage redete. Oder worüber auch immer. Im Geschichtsunterricht hat man immer das Gefühl, jedes vierte Wort ist Hitler. Und jedes zweite, für den Anspruch, Nationalsozialismus.
Mein Ziel in diesem Unterricht war jedenfalls, einen möglichst unterhaltsamen Platz zu bekommen. Neben Nina, der Streberin mit der ewig guten Laune war das nicht möglich, sie sagte immer "Psst, Meriche, was hat sie gerade über Hitler gesagt?" Da der Freund von Jan eine Auge auf Nina geworfen hatte, bat er mich, mit ihm den Platz zu tauschen. Ich zuckte nur die Schultern und lauschte dem Klang der Pumps, in denen viel zu dünne Füße steckten. Bis die Punps angekommen waren, saß ich schon weiter hinten neben Jan und war mir noch nicht so sicher, was ich davon halten sollte, denn ich kannte ihn gar nicht. Er hatte ein paar Kilo zu viel auf den Rippen, ein etwas teigiges Gesicht und verwegen gewuschelte braune Haare, die er ab und zu verrückt färbte. Einmal, aber das war erst später, probierte er Selbstbräuner aus und kam mit einem knallgelben Gesicht zur Schule. Es wäre nicht ganz so auffällig gewesen, hätte er nicht die Augenpartie großzügig ausgespart. So sah er aus wie ein gelber Panda  und die ganze Clique hat stundenlang herzhaft gelacht. Es stellte sich heraus, dass Jan war sehr eitel war, aber einige urkomische Späßchen auf Lager hatte. Die Geschichtsstunde war schneller um, als die Lehrerin ihre Beine vor und zurück schwingen konnte und ich beschloss, dort sitzen zu bleiben. Nach ein paar Wochen konnte ich anhand von Jans Armbanduhr, die er immer ausgestreckt zwischen uns auf den Tisch legte, exakt die letzten zehn Sekunden des Unterrichts runterzählen. Man musste nur um 1 Minute und 21 Sekunden zurückdenken, dann noch einmal zehn dazu und der Countdown ging los. Alle Umsitzenden schätzten mich dank dieser Fähigkeit sehr, Jan am allermeisten. So lud er mich eines Tages zu sich nach Hause ein, um für die Geschichtsarbeit zu lernen. Wir beide wussten, dass ich keine Ahnung von Geschichte hatte, dafür knutschten wir ausgiebig rum. Er zeigte mir sein Zimmer im Keller, das ein eigenes angrenzendes Bad besaß, wofür ich ihn sehr beneidete. Er ließ mich stolz die Musikboxen zählen, die er aufgestellt hatte, ich sah aber nur überall Kabel von den Wänden hängen. Dann legte er seine Lieblingsmusik, Madonna, auf und das Petting konnte losgehen. Ich war nicht seine erste Freundin, das wusste ich bereits, aber die andere muss wohl sehr verklemmt gewesen sein. Für ihn war es schon eine Überschreitung seiner Grenzen, sich angezogen auf mich zu legen und den Geschlechtsakt zu simulieren, was er dennoch ausführlich tat. Mir wurde sehr langweilig, aber ich wartete einfach ab, bis er fertig wurde. Ich weiß nicht, wie lange er weitergemacht hätte, wenn nicht plötzlich sein Vater an das Kellerfenster gebollert hätte. "Ich kann euch sehen!", kreischte der, hatte aber die Situation völlig missverstanden, weil er nur unsere Füße sehen konnte. Es war Sommer, und wir trugen beiden kurze Hosen. Ja...er auch. Also saßen wir beschämt nebeneinander auf dem Bett und mir blieb nichts anderes übrig, als auf seine Füße zu starren. Er hatte sehr lange Zehen, die so käsegelb waren, dass ich mir sicher war, sie würden nach Gouda riechen. Um nichts in der Welt wollte ich das aber ausprobieren. Auf jedem Zeh wuchsen drei schwarze Haare, auf dem großen sogar fünf. Sie kräuselten sich leicht. Die Zehennägel waren kurz, bis auf den kleinen rechten, an dem eine gelbliche Kalkecke abstand. Dann stürmte seine kleine Schwester den Raum und ich nutzte die Gelegenheit, um zu verschwinden. Ein paar Wochen trafen wir uns noch, aber dann machte er Schluss, weil wir miteinander Sex gehabt hatten. Bis heute habe ich nicht verstanden, warum, aber nach dem Sex war ich nicht besonders traurig, dass ich es nicht noch einmal durchleben durfte. Immer, wenn ich ihn später sah, musste ich an die Zehen denken. Neulich hat er sich mein Profil im Studivz angesehen. Ich war erstaunt, weil ich schon vergessen hatte, wie er heißt. Er ist immer noch teigig, aber er trägt keine Brille mehr und die Zehen konnte man nicht sehen. Besser so.

24.3.09 00:45
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Denis / Website (11.9.07 11:31)
Du wirst besser. Jedes Mal. Wie machst du das? Vermutlich nicht einmal mit Absicht. Wie großartig ist denn diese Geschichte? Sehr.

Erstens: Ich hatte auch eine Sportlehrerin, die zum über Hitler reden und zum Schwingen zwischen Tischen neigte. Sie trug dafür aber sehr alte Adidas Turnschuhe zu einem dieser Trainingsanzüge desselben Herstellers, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Sie eigentlich eher ein Skelett, was ihr klare Vorteile am Reck verschaffte.

Zweitens: Diese ZEHEN sind EKELIG! Viel schlimmer als abgehusteter Schleim, der bei mir völlig zu Unrecht beanstandet wurde! Immerhin kann ich sicher sein, das Du dich den Zehen nicht mehr auf Beschreibungsweite nähern wirst. Hoffe ich.


LadyMarguerite / Website (12.9.07 11:20)
Ein gutes Glas Rotwein dazu ... ;-)

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