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Ebenso Tragisch Inoffizielles

Gestern war ich endlich bei der mir empfohlenen Werkstatt. Den Rest der Geschichte möchte ich nämlich nicht vorenthalten, nachdem sich fogendes zugetragen hatte:

Ich bin - sozusagen als Vorsichtsmaßnahme meines Vaters - vollkaskoversichert. Das klingt toll, raubt mir aber ob der hohen Rechnung so manchen Schlaf. Im letzten Jahr beschädigte ich selber beim Ausparken einen anderen Wagen. Der Golf hatte eine Delle am Nummernschild, ich auch. Natürlich war ich blöd genug, nicht Fahrerflucht zu begehen und stand voll für meine Tat ein, was zur Folge hatte, dass die Besitzerin des anderen Fahrzeugs sich einen Spaß daraus machte, eben für 2000€ den Frontbereich ihres Wagens generalüberholen bzw. komplett ersetzen zu lassen. Ich wähnte mich in Sicherheit, würde doch die Versicherung den Schaden bezahlen. Das ließ jedoch, wie mir die Rechnung zwei Monate vor Ende des Jahres unmissverständlich und gnadenlos mitteilte, meinen Beitragssatz eben um knappe 80% nach oben schnellen. Ich war bis dahin der Ansicht gewesen, das Jahr über genug Geld erarbeitet zu haben, um mit der Rechnung fertig zu werden und musste mich nach dem Schock, eben noch 800€ dazu auftreiben zu müssen, erst einmal sinnlos betrinken. Als ich wieder zu mir kam, rechnete ich aus, dass ich noch genau 46 Tage hatte, um das Geld zu beschaffen. In diesen 46 Tagen habe ich nicht ein einziges Mal meinen Wagen bewegt, um das Geld für Benzin zu sparen, ich war oft mit Kommilitonen in der Mensa und habe dort nie etwas gegessen und nutzte auch sonst jede Gelegenheit, um die letzten Cent zu sparen. Ich hatte zwar eigentlich kein Privatleben mehr, aber es war nicht so schlimm, wie es sich jetzt anhören mag. Der krönende Abschluss war die Teilnahme an dubiosen Versuchen, für die ich immerhin 50€ bekam. Um ehrlich zu sein, war ich teilweise der Versuchung schon nahe, Lady Marguerite in ihr Berufsfeld zu folgen, aber das traute ich mich dann doch nicht. Ende der Geschichte: Ich schaffte es, mich in meinem Geldbeschaffungswahn zu verkalkulieren und hatte am Zahltag doch glatt 200€ zu viel. Ich tankte meinen Wagen voll, kaufte mir einen Burger und zwei Flaschen Schnaps, um meine wieder gewonnene Freiheit zu gewinnen. Die Geschichte ist nicht spurlos an mir vorbeigegangen:

1. Ich grüße die Besitzerin des Wagens nicht mehr, wenn ich sie auf der Straße treffe.

2. Ich habe dieses Jahr so vehement gespart, dass ich in drei Monaten das Geld für die Versicherung eigentlich beisammen gehabt hätte.

3. Ich hab seitdem nie wieder in der Mensa gegessen, aber warum, weiß ich eigentlich auch nicht.

 

So, zurück zum eigentlichen Thema: Nun war ich mir sicher (auch der werte Polizist versicherte es mir), dass ich mit einer Vollkaskoversicherung weitestgehend komplett gegen einen derartigen Schaden mit Fahrerflucht abgesichert sei. Innerlich war ich mit dem fremden Idioten schon fast wieder versöhnt und rief meine Versicherung an, um den Schaden bekannt zu geben. Dann teilte der etwas inkompetente, dafür aber sehr freundliche Herr am anderen Ende der Leitung mit, dass ich zunächst 300€ Selbstbetiligung zahlen müsse. Nach kurzem Schlucken sah ich das ein - das hatte ich immerhin so angegeben. Leider hatte der Herr mir noch mehr zu sagen und wies mich darauf hin, dass danach ebenso mein Vollkaskobeitrag steigen würde und ich damit rechnen müsse, in den nächsten zwei Jahren je etwa 300€ mehr zahlen müsse, ehe ich wieder runtergestuft werden könne. Das bedeutet: Trotz Vollkasko zahle ich selber für diesen Schaden, an dem ich so viel Schuld trage wie mein Hund an der drohenden Umweltkatastrophe, insgesamt fast 1000€.

Schlussfolgerung: Ich werde die "Hilfe" meiner Versicherung nicht in Anspruch nehmen. Der Schaden muss aber repariert werden, weil zumindest der große Kratzer an der Hintertür und dem Kotflügel sonst bald anfängt zu rosten. An einem zwei Jahre alten Wagen.

Also, ich fuhr zu der Werkstatt. Ich bin immer nervös, wenn ich zu Werkstätten fahre, weil ich befürchte, als Frau meinen Wagen falsch zu parken, was eigentlich Unsinn ist - aber die Mechaniker lieben es scheinbar, sich einen Spaß daraus zu machen, mich das glauben zu lassen. In der Werkstatt herrschte reger Betrieb und es liefen eine Menge auf Bauarbeiterart sehr sexy aussehende Männer herum. Untypischerweise war keiner von ihnen älter als 35 und soweit ich das erkennen konnte, wog auch keiner von ihnen mehr als 80kg. Selten habe ich mich in einer Werkstatt derart wohl gefühlt. Ein Mechaniker nach dem anderen trat zu mir heran, um den Schaden zu begutachten, Prognosen über die Kosten anzustellen sowie mich über den Hergang auszufragen und darauf hinzuweisen, dass meine Antenne fehlt. Grr. Schließlich erschien der Scheff, ein dunkelhaariger Typ mit etwas schiefen Zähnen, der sich lange darüber ausließ, auf welche Art man den Schaden reparieren würde und prompt eine nachlässig lackierte Stelle von dem Auffahrunfall vor zwei Jahren entdeckte.

"Langer Rede kurzer, äh, zusammen: Kostet 500€, mit Märchensteuer"

Die Märchensteuer ignorierte ich und ich muss sagen, ich bin zufrieden. Jetzt spare ich wieder fleißig und vielleicht habe ich dann in ein, zwei Monaten das Geld für die Reparatur zusammen. Wünscht mir Glück, dass

a) es nicht so viel regnet bis dahin

b) nicht jemand auf der anderen Seite auch so einen Scheiß macht

c) mir ja vielleicht jemand die Vorfahrt nimmt und direkt in die Schramme hineinrast, er dann nicht flüchtet, sondern sich als charmanter, wohlhabender Mittdreißiger herausstellt, der nicht nur durch seine Versicherung den kompletten Schaden übernimmt, sondern mich als Wiedergutmachung auch auf seine Yacht zum Urlaub machen einlädt.

So viel bis dahin.

2.8.07 06:54
 




bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


LadyMarguerite / Website (2.8.07 10:46)
Daumendrück :-)


Denis / Website (2.8.07 11:24)
Viel Glück, Meriche! Du bist jedenfalls schon einmal auf mein weitläufiges Landgut eingeladen. Zur Wiedergutmachung. (Aber deswegen musst Du nicht erst in mein Auto fahren.)

P.S.: Und oh! Wie sehr kann ich deine Situation verstehen. Ich werde mich daran machen, eine eigene Geschichte zu schreiben... an die du mich grade erinnerst. Keine Polizisten mit Knackarsch in meinem Bett, allerdings.

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