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Nightlife

Der Abend ist schon kacke. Er geht aufs Klo, ich geh raus, ich muss einfach hier raus. Als die Klospülung rauscht, verschließe ich die Tür von außen. Tut mir leid, Jess, du musst heute drinnen bleiben.

 

Draußen atme ich durch. Wohin soll ich gehen? Ich wandere ziellos umher, bis mir klar wird, ich gehe zum Krankenhaus, zurück zu dem Ort, an dem meine Mutter starb. Der Nebeneingang ist verschlossen, ich muss zum Haupteingang. Da sitzt eine wachsame Frau. Ich sage nur: Ich will zur Palliativ - und alle Pforten öffnen sich. Mit der Flasche Schnaps, die ich vorher noch im Kiosk zu überteuerten Preisen gekauft hab, betrete ich die Palliativ. Ich muss schlucken. Mann, hier erinnert echt alles an Mama. Die Schwester kommt auf mich zu, sie vermutet vielleicht einen Störenfried. "Neinnein," beschwichtige ich, "ich will Ihnen gar keine Umstände machen. Es tut mir leid. Ich weiß auch nicht. Es tut mir leid. Es tut mir leid. Kann ich mich vielleicht etwas auf den Balkon setzen?"

 

Auf dem Balkon ist eine andere Patientin. Sie sagt, sie sei schon seit vielen Wochen hier, ich könnte ihr sagen, dass das nicht stimmt. Aber egal. Die Sterne scheinen nur schwach am Himmel. Uschi ist ihr Name. Wir geben einander die Hand. "Oh," sagt sie, und hält meine Hand fest, "deine Hand ist warm wie eine Heiz...wie eine Wärme..." Das Wort fällt ihr nicht mehr ein. Es ist dunkel, und die Sterne sind kaum zu sehen. "Ich hab lange gearbeitet, beim Arbeitsamt." Indeed, ich auch. Es ist aber schwer, aus ihr Jahreszahlen zu bekommen. Sie zündet sich eine Zigarette an, wischt dann hektisch über ihr OP-Shirt. "Ich hab eine Zigarette verloren" Ich beruhige sie, nein, die erste Zigarette liegt noch auf dem Tisch. 

"Und meine Tochter Rabia ist eine gute Mutter. Ich wünscht. e, mein Beruf wäre, nur nachts nach den Babys zu sehen. Das könnte ich gut."

Uschi sieht im Dunkeln aus wie 45. Ich frage sie, und sie lacht: "Ich bin 72. Ja, 72...vor vier Jahren hab ich noch gearbeitet."

 

Es geht Uschi zusehends schlechter. Sie greft sich an den Magen. "Oh, das kneift aber". In ihrer Tasche liegt die Medikamentenpumpe. Ich laufe mit der Taschenlampe im Handy herum und helfe Uschi, ihre Medikamentenpumpe zu erreichen. "Bolus", stöhnt sie, "Bolus". Ihre manikürten Fingernägel rutschen von der Bolus-Taste immer ab, also drücke ich.

 

Die Schwester kommt zurück. "Was ist das denn hier, warum liegt die Pumpe hier?" Sie guckt kritisch. "Wer hat die rausgeholt und was gedrückt?"

Uschi hebt den Finger: "Das war ich!", behauptet sie fest. Danke, Uschi.

 

Uschi fallen die Augen zu. Sie guckt sich die Blumen an und verwechselt alles. Die Schwester fährt sie ins Bett. "Bis morgen!" ruft sie mir zu. "Bis morgen!"

24.8.16 10:46
 


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