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Das schlimmste Date meines Lebens

Danny kannte ich aus der Schule. Als er mir jedoch diese wichtige Erfahrung verschaffte, hatte er diese jedoch bereits abgebrochen. Besonders hervorgetan hatte er sich bis dahin lediglich beim Sport, ein Kampfgeist sonder gleichen, eher untersetzt als athletisch, aber von einem Siegeswillen besessen, der ihm Knochenbrüche und Platzverweise fast ebenso oft bescherte wie Siege. Wie sich herausstellte, legte er diese Entschlossenheit durchaus nicht in allen Bereichen des Lebens an den Tag. Ich war an ihm interessiert, und so lud er mich ein, einen Abend mit ihm zu verbringen. Die Gestaltung dieses Abends sah vor, dass wir uns mit Fahrrädern im Wald trafen, um "einem kleinen Picknick" beizuwohnen. Ich sollte Orangensaft und Becher einpacken, beschloss jedoch, mit Apfelsaft und Amaretto der Sache ein bisschen einzuheizen. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass diese Geschichte einige Jahre zurück liegt, man stelle sich meine Person jung, vorurteilsfrei und hoffnungslos naiv vor. Wie sich herausstellte, war meine Sorge unbegründet gewesen, denn Dannys Picknicktasche enthielt lediglich ein Paar Fußballschuhe, eine Tafel Traube-Nuss-Schokolade, eine Flasche Wodka und eine halbe Flasche Wodka Blutorange. Wir suchten uns dennoch einen Platz an einer kleinen Lichtung und, nachdem tatsächlich ein Reh das Weite gesucht hatte, machten es uns so bequem wie möglich. Danny berichtete von seinem letzten Fußballspiel und schimpfte über den Schiedsrichter. Eigentlich war er gerade wegen einer Bänderdehnung außer Gefecht gesetzt, hatte den Trainer aber so eindringlich bearbeitet, dass dieser ihn ersatzweise im Tor spielen ließ. Als Danny das dritte Tor einstecken musste, das er für "definitiv abseits" hielt, schlug er dem Torschützen von hinten - mitten während des Torjubels - mit seiner behandschuhten Faust auf den Kopf und wurde mit einer roten Karte vom Platz verwiesen. Damit ging er in die Annalen des Vereins ein als der erste Spieler, der im Invalidenzustand noch als  Torwart vom Platz flog. Die Geschichte regte ihn so auf, dass er die halbe Flasche Wodka-Blutorange versehentlich über meine Jacke kippte. Viel zu sagen hatte ich ihm nicht, aber ich war gespannt, wohin der Abend uns noch bringen würde. Eine Stunde später tauchten die Glühwürmchen auf und wir sprangen wie Kinder durch das hohe Gras und fingen einige Exemplare in der leeren Wodkaflasche. Gegen zehn jedoch wurde es so dunkel, dass auch das Leuchten in der Flasche nicht mehr genug Licht gab, um die Tafel Traube-Nuss-Schokolade zu finden, die irgendwo zwischen den Fahrrädern liegen musste. Danny schleppte einen großen Baumstamm an, in dem er sein Fahrrad so verkeilte, dass er in die Pedale treten und uns mit dem Dynamo Licht schenken konnte. Um damit die Schokolade zu suchen, mussten wir die FahrradLichtMaschine allerdings mehrfach umstellen. Schließlich fanden wir die Schokolade, die nicht mehr essbar war, sah sie doch so aus, als sei sie von einer Herde Seekühe zertrampelt worden war. Ich hielt die Reste der Schokolade in den Händen und war für einen Moment unachtsam, deswegen bemerkte ich nicht, wie  der Baumstamm verrutschte und  Danny langsam mit der Lichtmaschine zu Boden krachte.  Er rieb sich die Rippen und bestand darauf, dass ich ab jetzt für die Beleuchtung zuständig sei, worauf ich aber keine Lust hatte, so schwangen wir uns auf die Fahrräder und drehten ein paar wackelige Runden durch den Wald, wo wir einige zwielichte Gestalten trafen. Mit allen unterhielt Danny sich prächtig. Schließlich ließen wir auf meinen eindrücklichen Wunsch den Wald hinter uns und fuhren auf Dannys Empfehlung hin zu einer Kneipe, in der tatsächlich noch Betrieb war.  Eine Gruppe junger Leute spielte an einem der Tische ein Würfelspiel und ein paar alte Gestalten saßen an der Theke. Danny entdeckte im hinteren Bereich ein Dartbrett und versuchte mich zu einem Spiel zu überreden. Ich weiß jedoch, wie schlecht ich schon nüchtern werfe, und lehnte ab, was ihn von seinem Vorhaben nicht abbrachte. Mit dem Versprechen, die Spiele selber zu bezahlen, brachte er die Würfelgruppe, die sich gerade auflöste, dazu, ihn herauszufordern. Ich saß auf einem Barhocker und hing meinen Gedanken nach, während Danny Runde um Runde verlor. Plötzlich brachte mir der Wirt ein Bier. Ich wollte abwinken, aber er zwinkerte auf eine unansehnliche Weise und verriet mir, dass das Bier bereits bezahlt war. Ich strahlte Danny an, doch der hatte gerade einen Pfeil Richtung Damentoilette geworfen, da hauchte mir jemand von rechts über die Schulter. "Hallo Süße," sprach da ein wilder Bart unter trüben Augen und ein muffiger Gestank stieg mir in die Nase. "Prost, ne?". Ich war kurz fassungslos, wie schnell mein sozialer Abstieg sich vollzogen hatte und rutschte dann schnell von meinem Barhocker. Wild fliegenden Pfeilen ausweichend flüchtete ich mich in die Damentoilette, wo ich mich in eine Kabine einschloss, missmutig gegen die
Kloschüssel trat und in das trübe Wasser spuckte. Ich wartete darauf, dass Danny kam, um nach mir zu sehen, aber nach einigen Minuten wurde es mir zu  dumm und ich ging nach ihm sehen. Der Penner,  der mir das Bier geschenkt hatte, saß noch auf seinem Platz und hatte mir auf einen Bierdeckel mit krakeliger Schrift seine Telefonnummer geschrieben, Danny und der Wirt kämpften erbittert am Dartbrett, sonst war niemand mehr zu sehen. Ich sah mich verzweifelt um und beschloss dann, dass es allerhöchste Zet war, diesem Trauerspiel ein Ende zu setzen. Ohne mich zu verabschieden verließ ich die Kneipe, schloss mein und Dannys Fahrrad auf und trat so schnell ich konnte in die Pedale.
16.12.08 12:40


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Marylins Zukunft

Zwei Etagen unter mir lebt ein junges Pärchen, das vor einem halben Jahr eine zuckersüße Tochter bekommen hat. Manchmal, wenn es im Haus ruhig ist, kann man hier oben ihr Weinen hören, aber immer, wenn ich sie und ihre Mutter oder ihren Vater im Treppenhaus sehe, lacht sie mich an. Ihre Eltern haben sie Marylin getauft, tatsächlich, aber ich mag sie, deswegen macht es mir nichts aus.

Vor ein paar Tagen traf ich sie im Treppenhaus, auf dem Arm ihrer Mutter, und wir kamen ins Gespräch. Marylin gluckste ein wenig vor sich hin, riss die Augen auf und schaute mich fasziniert an. Langsam kringelten sich blonde Löckchen auf ihrem Kopf und ihre Finger griffen in die Luft.

"Erstaunlich," sagte ich zu ihrer Mutter. "Die wachsen so schnell. Wartet nur ab. Morgen spricht sie ihren ersten Satz, und nächste Woche kann sie Handstand. Dann dauert es nicht mehr lange, bis ihr sie den Müll runterbringen lassen könnt, hihi." Marylins Mutter lächelte bei den Worten und umfasste Marylins Hüfte ein wenig sicherer.

"Dann dauert es allerdings auch nicht mehr lange, bis sie den ersten Freund mit Flaum an der Oberlippe anschleppt. Dann verheimlicht sie euch, was sie macht und mit wem sie sich trifft, dann fängt sie an zu rauchen und zu trinken, vernachlässigt die Schule und bleibt abends weg, ohne euch zu sagen, wo sie ist. Sie schließt sich nur noch in ihrem Zimmer an, fängt an, sich nach dem Essen den Finger in den Hals zu stecken und testet beliebig verschiedene Drogen. Sie lässt sich ficken von Typen, die kaum jünger sind als ihr, sie wird euch unmissverständlich zeigen, dass ihr das Letzte seid, dass sie gut auf euch verzichten kann. Ihr werdet weinend neben ihr in der Notaufnahme sitzen, weil sie nicht mehr ansprechbar ist, und euch fragen, was zur Hölle ihr falsch gemacht habt, und irgendwann, ja, dann gebt ihr auf und lasst sie gehen und wenn ihr Glück habt, seht ihr sie noch zu Weihnachten ein paar Stunden, ehe sie mit fliehenden Fahnen das Haus verlässt."

Marylins Mutter war bei meinen letzten Worten ein paar Stufen die Treppe hinaufgestiegen. Ich folgte ihr, und sie schüttelte den Kopf. Marylin hingegen lauschte mir gebannt und schien an meinem Vortrag sehr freundlich-interessiert zu sein. Ihre Mutter erreichte ihre Wohnungstür und machte Anstalten, die Tür aufzuschließen. Ich rief ihr von unten hinterher:

"Dann bricht sie ihre Ausbildung ab und lebt mit irgend einem Arsch zusammen, der ihr die Miete bezahlt, wenn sie ab und zu die Beine breit macht, und sie verrät jeden Tag die Prinzipien, die ihr sie gelehrt habt. Sie ist eine kleine, alkoholabhängige Hure, die mit 17 Mutter wird, ihre Kinder schlägt und ihr werdet sagen: 'Aber sie hatte doch so viel Potential! Sie war doch so ein liebes Kind!'" Bei den letzten Worten ging mir die Puste aus, aber die Tür war eh längst geschlossen. Ich wunderte mich ein wenig über meinen Ausbruch, zuckte aber mit den Achseln und dachte mir, irgendjemand musste es ihnen halt sagen.

25.12.08 09:29


Ben und die Panzerfaust

Als ich vor Urzeiten noch sportlich aktiv war, lernte ich Svenja und Ben kennen. Svenja war auch sportlich. Ben war ein Koloss. Er kam nur mit, um Svenja zuzusehen, und außerdem war immer Zeit für ein Bierchen und zwei, drei Schachteln Zigaretten davor und danach. In der Gesellschaft nahm ich gerne mein kurz zuvor verworfenes Dauertrinken wieder auf, und schloss mich den beiden an. Svenja war etwas pummelig, hatte aber trotzdem wegen ihrer katzenhaft schräg stehenden Augen einen spitzbübischen Ausdruck. Der täuschte, denn besonders schlau war sie nicht. Sie steckte noch in der Ausbildung und versemmelte eine Prüfung nach der anderen - Ben war schon weiter, nämlich arbeitslos. Er saß den ganzen Tag auf seinem Sofa und wartete darauf, dass Svenja nach Hause kam, um mit ihr zum Pseudosport zu fahren. Außer Samstags, denn da war Fußball. Dennoch...immer wenn ich ihn ansah, konnte ich meine Eierstöcke vibrieren fühlen. Seine großen Lippen wollten von mir einfach geküsst werden, und ich stellte mir vor, wie ich in seinem Fleisch versank. Er war nicht nur dick, er war auch unglaublich kräftig und durchaus geschickt. Einmal steckte einer der Fahrer mit einem Anhänger, den er manövrieren wollte, fest und war absolut ratlos. Ben sprang kurzerhand ein und lenkte ohne Zögern perfekt in die Lücke. Das machte mich noch viel heißer auf ihn.

Eines Samstags lud Svenja mich in Bens Wohnung ein. Ben war gerade vom Fußball gekommen, er stank nach Bier und war schon tief besoffen. Ich hatte einen Kasten Bier mitgebracht, und damals war ich noch nicht knausrig. Ich war mir nicht ganz sicher, was die beiden von mir wollten und ich fühlte mich etwas unwohl. In solchen Situationen greife ich ja besonders gerne zum beruhigenden Alkohol. Svenja kramte in den Videokassetten und holte vier heraus, die sie bei Turnieren zeigten oder wahlweise auch ihre Haustiere, in allen Altersstufen. Nach endlos langen vier Stunden hatten wir alles gesehen. Ich beteuerte wiederholt, dass sie toll aussah, dass ihre Tiere toll aussahen, dass ein letzter Platz ja der erste von hinten sei und langweilte mich sehr. Ben war zwischenzeitlich auf dem Sofa eingeschlafen, erwachte aber zum Ende des letzten Videos und fing an, Svenja zu begrapschen. Er war besoffen und scharf, das war unverkennbar. Svenja lachte und schubste ihn zu Seite und da fragte ich mich zum ersten Mal, ob die beiden mich eingeladen hatten, um mich in einen Dreier zu verwickeln. Ich blieb trotzdem, denn irgendwie wollte ich wissen, was passieren sollte.

Nun, erst mal nichts. Wir soffen und soffen, bis der Kasten tatsächlich leer war. Zumindest nehme ich das an, denn am nächsten Morgen war nichts mehr übrig. So genau weiß ich das nicht mehr, denn irgendwo fehlt mir ein Stückchen. Nachdem wir entschieden hatten, wer wo schlafen sollte (Svenja und ich in Bens Doppelbett und er auf dem Sofa), zogen Svenja und ich uns der Bequemlichkeit wegen schon mal aus, und Svenja kramte erotische Fotos von sich hervor. Ich bewunderte auch diese, obwohl sie mich nun wirklich nicht scharf machten. Das nächste, was ich wieder weiß, ist, wie ich auf der Arbeitsplatte in der Küche sitze und unbequemen Sex mit Ben habe. Obwohl die Höhe eigentlich optimal ist, rutscht er immer wieder ab. "Ich hab zu viel getrunken", lallt er in mein Ohr, und wir ziehen um ins Wohnzimmer. Er legt sich auf das Sofa und ich reite ihn, bis wir schweißnass sind, aber er kommt nicht, deswegen nehme ich seinen Schwanz in den Mund und bearbeite ihn, bis er doch endlich kommt.

Am nächsten Morgen wache ich auf dem Sofa auf und bin nackt. Ben liegt auf dem anderen Sofa, ein riesieger, schnarchender Berg. Mir wird klar, was ich getan habe und eine heiße Welle des Schamgefühls überkommt micht. Jetzt finde ich ihn gar nicht mehr sexy. Ich schleiche ins Schlafzimmer, tatsächlich liegt Svenja da in tiefem Schlaf. Leise lege ich mich neben sie und starre an die Decke und den ganzen Kram, der an den Wänden gestapelt ist. Zwei Stunden später, es ist halb neun, stehe ich wieder auf, ziehe mich an und gehe durch die Wohnung. Die beiden schlafen immer noch, und erwecken nicht den Anschein, als wollten sie innerhalb der nächsten vierzehn Stunden aufstehen. Mein schlechtes Gewissen treibt mich aus der Wohnung, ich hinterlasse einen Zettel, auf dem nur "Sorry" steht, und düse mit meinem Auto nach Hause.

Später am Tag klingelt mein Handy. Svenja ist dran. Wer so dumm ist wie ich, muss da auch durch, denke ich wütend. "Ey, Meriche, warum bist du einfach abgehauen? Ich dachte, wir wollten zusammen frühstücken! Außerdem durfest du noch gar nicht wieder fahren, nä? Ich hab jedenfalls jetzt noch ordentlich einen sitzen, boah. Naja, sehen wir uns heute abend?"

Als ich Ben das nächste Mal beim Sport treffe, passe ich einen unbeobachteten Moment ab. Ihm ist das sehr peinlich, man merkt es. "Sie weiß nichts?", frage ich ihn. "Sie ist heulend abgezogen in der Nacht, aber sie hat alles vergessen. Trotzdem fühle ich mich so schuldig", sagt er, und er sieht wirklich nicht gut aus. Ich bedränge ihn, uns einmal auszusprechen und er gibt nach, erwartet mich am nächsten Tag in seiner Wohnung.

Dort sitzen wir uns betreten gegenüber und glotzen in den Scheißfernseher. Dann beschließen wir, dass es nur ein Ausrutscher war, dass es niemals wieder vorkommen wird und vor allem, dass niemand davon erfahren darf. "Gib mir einen letzten Kuss, deine Lippen sind so weich", sagt er und zwinkert unbeholfen. Zwei Stunden später klettere ich wieder in meine Klamotten und fahre zitterig, aber hoch befriedigt nach Hause. Das Spielchen wiederholen wir noch zwei Mal. Es darf nie wieder passieren - na gut, ein letztes Mal noch.

Svenja fragt mich am 31., was ich denn an Silvester vorhabe. Nichts, wie immer eigentlich. Schulpartys gibt es schon lange nicht mehr. Sie lädt mich ein, einer ihrer Cousins feiert am Abend. Ok, warum nicht? Hauptsache, Ben ist dabei. Ich mache mich extra schick und style mich auf, als ginge ich zu einer Gala und ich weiß, dass Ben Probleme hat, nicht zu sabbern, als er meinen Ausschnitt sieht. Die beiden warnen mich vor den Cousins, die jeden abfüllen wollen. Ich solle bloß nicht mit ihnen trinken, das würde böse enden.

Die Party entpuppt sich als Familientreffen. Kinder sind dabei, Onkels und Tanten, und vielleicht acht junge Leute. Ich mag auf Anhieb niemanden, aber ich seh gut aus und alle Jungs starren auf meine Brüste, das reicht. Außerdem sitzt Ben mir gegenüber und ich schenke ihm verführerische Blicke, die ihn nervös machen. Er und Svenja lassen sich nicht lange bitten und kippen jeden Schnaps, den die bösen Cousins herumreichen. Ich lasse es ihrem Rat zufolge langsam angehen und trinke sogar ein fades Glas Wasser zwischendurch. Alle halten mich für einen Langweiler, aber ich seh gut aus, und meine Brüste. Um Mitternacht wird ein bisschen Lärm gemacht. Ich begnüge mich wie üblich aus Vorsicht mit Wunderkerzen, bin ich doch ein wenig pyrophob, aber dann merke ich, dass ich noch kein Stück betrunken bin. Wie ärgerlich. Ben geht zurück ins Haus. Ich drücke Svenja meine restlichen Wunderkerzen in die Hand, sie jauchzt und stolpert fast. Ben ist oben im Bad und ich folge ihm einfach, um ihn bedingungslos abzuknutschen. "Und wenn jemand kommt? Hör auf, hör auf," jammert er, aber er will es doch auch.

Svenja ist peinlich blau und schlägt Ben, als er ihr verbietet, noch mehr Schnaps zu trinken. Wir beschließen zu gehen und ziehen Svenja nach draußen. Sie reißt sich los und fällt über den Bürgersteig, schlägt sich beide Knie auf und fängt an zu heulen. Ich helfe ihr hoch und trage sie nach Hause. Plötzlich lacht sie wieder und singt laut. Ben geht gute hundert Meter hinter uns, die Hände in die Taschen, er ist sauer. Ich auch. Ich bin nicht ansatzweise betrunken, muss eine Besoffene schleppen, die vermutlich gleich kotzen wird und Ben hilft mir nicht. Ein grandioser Start ins Jahr. Tatsächlich lässt Svenja noch einiges von dem Schnaps wieder vor der Haustür zurück, den Rest oben in der Toilette, während ich ihre Haare halte. Nachdem ich sie zu Bett gebracht habe, werde ich auch müde, trotzdem kann Silvester einfach nicht nüchtern sein und ich trinke zwei schnelle Bier in der Küche, bis ich wieder Kotzgeräusche aus dem Bad höre. Ich will ihr helfen, aber dieses Mal ist es Ben, der bis vorhin noch so furchtbar nüchtern tat. Ich lege ihm einen Waschlappen in den Nacken, aber er will mich nicht und scheucht mich ins Wohnzimmer, wo ich etwas trinke und darauf warte, dass er zu mir kommt.

Warnungen aussprechen und sich dann selber nicht daran halten - und mir einen schönen Neujahrsrausch völlig umsonst versauen.

Ben ist ziemlich angeschlagen, aber es reicht für Sex. Und danach ist für mich endgültig klar, dass die Fixation zu Ende ist.

Ein paar Wochen später erzählt Svenja mir traurig, dass sie den Verein wechseln wolle. Ob ich nicht mitkommen wolle? Ich lehne ab, und bis auf eine Party, bei der wir alle brav waren, habe ich beide nicht wieder gesehen.

25.12.08 09:34


Sie sind heute leider meine einzige Sektion.

In Gelsenkirchen wohnt er, der Pathologe, wie passend. Die Häuser sind grau und dreckig, man, so schlimm hab ich es mir gar nicht vorgestellt. Das Haus des Pathologen hingegen ist nett, es passt eher in den Norden Deutschlands als ins Ruhrgebiet mit seinem niedrigen Dach und den Fachwerkbalken. Durchs Fenster kann ich eine Frau sehen, aber es ist doch der Pathologe selber, der mir die Tür aufmacht. Ein feuchtkalter Händedruck, da ist mir die nasse Nase, die der schokofarbene Labrador mir zur Begrüßung in den Oberschenkel drückt, lieber. Der Pathologe ist klein, nicht viel größer als ich. Er erinnert mich ein bisschen an Petterson, aber er trägt keinen Hut. Lustlos schaut er aus, aber er nimmt mir gleich den Karton ab. Wo er ihn hinstellt, bekomme ich gar nicht mit, und als ich ihn später mit Blicken suche, bleibt er verschwunden. Ebenso wie der Labrador, der sich rasch verabschiedet.

Ich werde ins Innerste der Praxis gebeten. Wider Erwarten stehen dort nicht Embryonen in Gläsern, lediglich ein paar Mikroskope und blickdichte Schränke. Meine Kontaktdaten muss ich penibel genau angeben, dann Informationen zum Verstorbenen. Der Pathologe stiert mich aus alten, grauen Augen an, die gar nicht zu ihm passen. Und er hat Mundgeruch, ganz fiesen. Ich hoffe, er ernährt sich nicht von...

Er berichtet mir, was er vorhat, ganz genau. "Sie sind leider meine einzige Sektion heute. Aber gut für Sie, dann fang ich gleich schon an. Gehen Sie doch kurz spazieren, dann entferne ich schon mal die Organe und sage Ihnen dann so in zehn Minuten, was ich mit bloßem Auge erkennen kann." Dankend lehne ich ab, schließlich hab ich noch "Termine". Mit einer Packung Nudeln vom Imbiss zum Beispiel, aber vegetarisch. "Na gut, dann rufen Sie nachher an. Die mikroskopische Untersuchung mache ich morgen, rufen Sie dann wieder an." Meine Telefonnummer will er nicht. "Wenn ich hier rausgehe, habe ich Sie vergessen. Ihnen ist das ja wichtiger, also rufen Sie mich lieber an." Sein Todesatem bedrückt mich. Ich glaube, ich kann ihn jetzt noch riechen.

Und die Nudeln waren später auch scheiße. 

25.12.08 09:34


Wer bist du?

Als der Psychologe endlich eine Pause macht, frage ich ihn:

"Wer sind Sie?"

Er schmatzt. "Ich bin Ihr Psycholge", sagt er, obwohl ich ihm schon zwei Mal gesagt habe, dass er mich duzen kann. Beim ersten Mal habe ich ihm auch noch abgenommen, dass er sich darüber freute.

"Das ist interessant", sage ich. "Wenn Ihre Frau Sie fragt, was sagen Sie dann?"

"Ich bin dein Mann," entgegnet er. Dumm ist er nicht.

"Aber können Sie sich da mit allem identifizieren? Wenn die Kassiererin unten Sie fragt, sagen Sie dann: Ich bin Ihr Kunde? Oder sagen Sie 'Ich bin Ihr Parksünder' zur Politesse?"

Er reibt sich die Nase.

"Ist das für Sie so wichtig, was Sie für andere sind?" Mir steigt das Blut in den Kopf. "Ich habe doch Sie gefragt!", ereifere ich mich. "Und Sie nehmen für jeden eine andere Rolle ein. Darf ich das dann nicht auch machen?"

"Nun, das müssen Sie ja selber wissen, Meriche. Aber Sie geben sich immer selber auf. Sie verstellen sich. Sie wollen jedem gefallen. Und dann glauben Sie mir nicht, wenn ich Ihnen sage, dass Sie hübsch sind und eine angenehme Gesellschaft."

Ich werfe einen unauffälligen Blick auf die Uhr hinter ihm. Noch 26 Minuten. Aber er ist faul, er macht fast immer zu früh Schluss und hat jedes Mal eine Ausrede dafür parat. Ich nicke dann immer und sage "Macht nichts", aber dann greife ich meine Jacke, stolpere durch den verwinkelten Flur, mache leise die Tür hinter mir zu und springe die Treppe hinunter, nehme immer zwei, drei Stufen auf einmal.

Ich blinzele. Die Sonne hat den Kirchturm umrundet und scheint mir ins Gesicht, sodass mir ganz warm wird.

"Soll ich die Jalousie schließen?", fragt er fürsorglich.

"Nein, ich mag die Sonne. Keine Umstände." Eigentlich hoffe ich ja, dass er eh gleich fertig ist. Aber er redet.

"Wo Sie gerade die Kassiererin erwähnen, wissen Sie, was mir anfangs passiert ist, als ich die Praxis hier noch nicht lange hatte? Also, ich war nur kurz etwas einkaufen und stand in der Schlange, da unterhielten sich vor mir die Kassiererin und eine Kundin. 'Oben ist jetzt ein Psychiater oder Psychologe oder so, wussten Sie das?' 'Ach nein, tatsächlich?' 'Ja, eine Bekannte von mir hat eine Freundin, deren Tochter dahin geht.' 'Ach, das ist ja immer schlimm, so was. Und wie ist der so?' 'Also, die sagt, der ist total gut. Und es geht ihr wohl auch schon viel besser. Obwohl der einen dicken Hintern hat, der Psychiater.' 'Nein, so was. Machenses gut, Frau Flödenscheid.' Oder so." Er kichert in seinen Bart, während mich die Sonne in der vollen Breitseite getroffen hat. Ich sehe nur noch helle und dunkle Flecken und kann nicht einmal mehr die Uhr erkennen. Unauffällig rutsche ich auf dem Sofa ein Stück nach links, aber dann komme ich dem Bild, das darüber hängt, so nahe. Also blinzele ich noch ein bisschen und warte, bis er sagt:

"So, Meriche, ich muss Sie leider jetzt schon verabschieden, denn meine Schwiegermutter hat gestern gesagt, dass...."

"Kein Problem," stoße ich hervor.

"Machen Sie noch neue Termine mit meiner Sekretärin aus?"

Ich nicke und husche aus dem Zimmer. Winke der Sekratärin zu, die wie immer am Telefon hängt und über ihren Cousin spricht. Dann mache ich die Tür leise zu und springe die Treppe hinunter. Am letzten Absatz begegnet mir wie immer der Mann mit dem Dackel, der mich böse anstarrt.

25.12.08 09:34


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