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Benzin 7 Cent/Liter

Diese Woche ist Prüfungswoche und wie immer beschleicht mich in der Nacht vor dem ersten Desaster Panik.

 

Erst träume ich von der ersten Klausur. Ich habe mir eine tolle Geschichte ausgedacht, die ich niederschreiben will, darin kommt ein Typ mit verwegenen schwarzen Haaren vor, der von einer Frau angegriffen werden soll, die ihn schließlich dadurch besiegt, dass sie ihm einen Kuss gibt. Ich kann die Geschichte vor meinem inneren Auge wirklich passieren sehen und überlege noch, dass ich einfach alle gelernten Strukturen, von wegen Einleitung, Paragraphen, den ganzen Mist einfach weglasse und ein literarisches Meisterwerk abgebe. Dann schreibt die außerordentlich dicke Lehrerin die Aufgabe an die Tafel: "Vom Leiden der nicht erwiderten Liebe". Ich grüble, ob mein schwarze-Haare-Typ da immer noch rein passt, aber irgendwie müsste ich die Kussgeschichte dafür um einiges umstricken. Schon die Wahl eines Titels für meinen Aufsatz bereitet mir Schwierigkeiten, aber ich ringe mich zu einem halben ersten Absatz, da verlässt Karl, der vor mir sitzt, schon den Raum. Er ist fertig. Durch die verglaste Front des Raumes kann ich schließlich sehen, wie er am anderen Ende des Innenhofes das Wohngebäude betritt und sehe ihn kurze Zeit später am Fenster seines Zimmers wieder auftauchen. Er sieht erleichtert aus, zieht sich seine Hose und sein T-Shirt aus, fasst mit der Hand in seine schwarze Boxershorts und masturbiert heftig. Erst nach wenigen Minuten sieht er, dass wir ihn durch das Fenster beobachten. Er fängt an zu weinen und verschwindet durchs Fenster. Plötzlich steht die Lehrerin vor mir. "Legt die Blätter zur Seite! Jetzt ist Schluss mit Vorschreiben, fangt mit der Reinschrift an!" Dafür hat sie winzige Blätter mit runden Ecken vorbereitet. Beim ersten Blatt verschreibe ich mich bei der Überschrift, weil ich so in Panik bin, habe ich doch nicht mal einen halben Absatz Vorschrift! Auf dem zweiten Zettel vergesse ich meinen Namen. Dann die Überschrift. Der Raum leert sich langsam und ich habe immer noch nichts sinnvolles geschrieben. Da wache ich von meinem Wimmern auf. Es ist kurz vor fünf.

Eigentlich habe ich mir bislang gar nicht so viele Gedanken über die Klausuren gemacht. Ich schalte den Fernseher ein und schaue zufällig Nachrichten. Kurt Beck greift Angela Merkel an. Angela Merkel ist bereits am frühen Morgen in Hokkaito angekommen, zum G8-Gipfel. Die kleinen Chinesen wollen Reisvorräte anlegen. So viel ist hängen geblieben, und stimmt das überhaupt? Dann schlummere ich wieder ein und komme gerade von der ersten Klausur nach Hause. Mir bleiben zwanzig Stunden, um für die nächste Klausur zu lernen. Die Wohnung ist jedoch voll mit Politikern. Ich erkenne Josef Göppel, Gregor Gysi, Gerhard Schröder, Wolfgang Thierse und hinten schließlich auch Angela Merkel. Alle lauschen gebannt einem Vortrag über einen neuen Handytarif. Es ist eine Werbeschleife, mit immer wieder kehrenden Sprüchen. Nur 53,30. 9,50€ zum Freitelefonieren pro Monat. Ich frag mich, was das Ganze soll. Mein Mitbewohner hat allen die Tür aufgemacht. Sie wollen studentennah Promotion betreiben. Da sieht man mal wieder, sage ich zu meiner mir unbekannten Sitznachbarin, dass auf die Medien kein Verlass ist. Heute morgen hab ich noch gehört, die Merkel sei gerade erst in Japan angekommen. Da kann die unmöglich heute mittag schon wieder zurück sein! So groß ist die Zeitverschiebung ja auch nicht. Die war gar nicht da, oder die war schon früher da.

Psst! schallt es hinten von Konrad Schily aus der letzten Reihe. Da werd ich böse und werfe den Politikern an den Kopf, dass das hier mein Wohnzimmer ist und dass ich lernen muss. Ich würde mich gerne mit ihnen unterhalten, aber nicht, um mir Werbung anzuhören! Das sei keine sinnvolle Beschäftigung für Politiker, es gibt doch so viel zu tun auf der Welt, so viele Missstände sind zu beseitigen - und ihr hockt hier in meinem Wohnzimmer und wollt, dass ich einen neuen Handyvertrag abschließe! Ich bin mit meinem aber voll und ganz zufrieden. Sie schütteln nur die Köpfe. Ich versteh das halt nicht, ich hab ja keine Ahnung von Politik. Das Telefon klingelt, und ich klettere hinauf ins Schlafzimmer, aber da ist kein Apparat. Der in der Küche funktioniert nicht, und dann stelle ich fest, dass Frau Merkel an unser Telefon gegangen ist und viele der Politiker unsere Wohnung verlassen haben. Endlich habe ich Gelegenheit, alleine mit ihr zu reden. Ihre Raucherstimme überrascht mich. Sie hustet laut und krächzt mir weiterhin die Vorteile des neuen Handytarifs vor. Ich bin wirklich enttäuscht von ihr, ich hatte sie mir so in echt doch ganz anders vorgestellt. Die hat bestimmt mit Yogi so richtig ordentlich zusammen geschwoft. Ich werfe alle aus der Wohnung, obwohl es gerade gemütlich werden könnte, weil Friedrich Merz unten an der Tankstelle Bier gekauft hat. Beim Hinausgehen sagt er zu mir: Lassen Sie sich von den Tankstellen nicht verarschen. Benzin kostet nicht mehr als 7 Cent pro Liter! Und wir Politiker haben damit gar nichts zu tun. Aber schön, mal so nah mit den Studenten zu sprechen. Schönen Tag noch! 

7.7.08 07:39


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