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Enno kommt aus Dresden, deswegen heißt er auch Enno. Zum Glück hört man ihm das aber nicht an.

Ich hab bei dem Datingkram was von "vögeln in der Küche und essen im Bett" geschrieben und er ist voll drauf angesprungen. So sehr, dass ich ihm direkt ne rüde Abfuhr erteilt habe, aber er stellt sich als hartnäckig heraus, also treffen wir uns nach Feierabend in der Kneipe mit dem größten Ruhrpottlokalkolorit, die ich kenne. 

Er stellt gleich mal klar, dass ich ihm eigentlich vier Jahre zu jung bin. Hat er angeblich nicht gesehen. Er ist Mitte vierzig. Es ist ihm unangenehm, zuzugeben, dass er geschieden ist und einen Sohn hat und ich frage mich, was für Frauen er wohl vorher getroffen hat, wenn er glaubt, das sei für mich ein Problem. 

Ich für meinen Teil hab beschlossen, heute supercool zu sein. Ich schwadroniere direkt über den gewünschten Grad der Lockerheit, den ich in zwischenmenschlichen Beziehungen anpeile und betone, wie selbstständig und unkompliziert ich bin. 

"Woher hast du das?", fragt er und deutet auf die lange und vor allem breite Narbe auf meinem Unterarm. Es ist warm in der Kneipe und bei Nervosität schiebe ich meine Ärmel immer zwanghaft hoch. "Ach", sage ich vage und winke ab, aber er lässt nicht locker. "Sieht aus wie ne Messerstecherei!"

"Gut geraten", behaupte ich und erfinde dann eine Geschichte, in der ich heldenhaft irgendwo meinen Arm hingehalten hab. Er staunt. Ich bin so cool.

"Willst du denn nicht heiraten?", ist seine nächste Frage. Wenn der wüsste, wie laut meine biologische Uhr in mir drinnen tickt, wäre er in zwei Minuten weg. Aber natürlich lehne ich ab. Heiraten? Wer kauft schon die Kuh, wenns die Milch umsonst gibt? Höhö.

Schließlich haben wir uns genug über Arbeit, Urlaube, Exfrauen und Mietpreise unterhalten und er rückt ein bisschen näher. "Du bist genau die Art Frau, auf die ich stehe." Mir wird noch wärmer. Gleichzeitig frage ich mich, was er mit "die Art Frau" meint. Die mit den schwabbeligen Winkearmen von der 30kg-Crashdiät? Die, die sich Messer in die Arme rammen? Die, die behaupten, nichts zu trinken, weil es ihnen "nichts mehr gibt" und gleichzeitig zwei Nächte lang nicht schlafen, weil die totale Übermüdung dem geliebten und verhassten Alkoholrausch so ähnlich ist?

Zum Abschied gibt es einen Handkuss. Er ist wohl doch nervöser, als ich zuerst dachte. Irgendwann an diesem Abend habe ich behauptet, mal Stadtführerin gewesen zu sein, also muss ich ihm jetzt beim nächsten Mal die Gegend zeigen. Macht aber nichts, ich kann ja nachts recherchieren.

Mal sehen, wann er sich meldet. Denn ich hab ja darauf bestanden, dass es absolut locker bleiben muss. Keine Zwänge, keine Verpflichtungen. 

8.2.18 19:39


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Die Schleife

Vorgestern war fünfmonatiges Jubiläum, aber das erwähnt zum Glück keiner von uns. Schweigend sitzen wir auf unseren üblichen Plätzen auf der Couch. Nicht den harmonieüblichen, sondern denen, die wir immer nehmen, wenn was nicht in Ordnung ist. Dein Platz ist aber sowieso immer der gleiche, also müsste man sagen: ich sitze auf meinem üblichen "Hier-ist-was-nicht-in-Ordnung-mein-lieber-Freund-wir-müssen-reden"-Platz.

Es ist super unfair. Und auch wieder nicht. Oder doch. Ich weiß nicht.

 

Ich bin müde. Ich bin die Spielchen leid. Ich habe dir den Ball rübergerollt und gesagt: "Ich bin unglücklich." Ich habe dir die Möglichkeit gegeben, mit erhobenem Kopf hier rauszugehen. Und du nutzt sie. "Tut mir leid, Baby, ich kann dir nicht das geben, was du brauchst."

Dein Kinn zittert. Du siehst aus wie ein trauriger Teddybär. Deine Augen sind nicht mehr augenförmig, sie sind wahrhaft und tatsächlich rund. Du hast dich rasiert, fällt mir auf. Du schniefst. Dann bricht es doch heraus.  Ich seufze, aber nur innerlich, und spiele schnell mit. Drücke mir ein Taschentuch auf die trockenen Lider und wackel mit den Schultern. Halt mich an dir fest und zeige dir, dass du mein armes, kleines Herz gebrochen hast. Damit du jetzt schnell gehst. Weil ich es sonst nicht aushalte.

 

Du hast meine Lieblingsblume nicht wieder zurück gebracht. Immer noch mahnt die Aufhängung, dass da was fehlt. Und die Lehne deines Sofas war geil zum ficken. Das werd ich vermissen.

 

 

19.1.18 16:14


Community Immunity Ammunity

Eigentlich will ich ihm ja Trost spenden, ihm zuhören, eine starke Schulter anbieten,

aber dann guckt er mich an und fragt: "Und, wie ist der neue Job so?"

und mein ganzes Leben sprudelt aus mir heraus und ich zücke mein Handy und zeige Fotos und

ich erzähle Anekdoten und ich verstelle meine Stimme und imitiere Kollegen und

gerate ganz in Aufruhr vor Freude, weil mir jemand seine Aufmerksamkeit schenkt und er sagt Wow, das ist ja wie eine Comedyserie und es ist wie früher und

dann fällt mir wieder ein, dass wir nicht meinetwegen hier sind und dass es nicht mehr wie früher ist und es tut mir leid und ich gucke zu Boden und er fragt: "Warum guckst du so traurig?" und ich denke, irgendwas ist hier falsch.

16.1.18 22:36


Verlust Teil Eins

Ich vergesse immer, ob es drei oder vier Jahre waren. Jedenfalls waren es drei oder vier minus eins, die wir zusammengelebt haben. Mich zu trennen ist mir schwer gefallen. Der Entschluss stand unumstößlich fest, aber aussprechen konnte ich es nicht, also wählte ich den feigen Weg und faselte erst mal was von "vorläufig räumlicher Trennung", versetzte ihm so eine ganze Reihe von kleinen, schmerzhaften Hieben, bis ihm langsam dämmerte, dass ich da ganz gewaltig untertrieben hatte und eigentlich nur ein mutloses Arschloch war.

Am Anfang war ich froh und ich weiß auch immer noch, dass es die richtige Entscheidung war. Zu viel hatten wir uns gegenseitig verletzt, zu oft hatten wir einander kleingemacht. Hatten gegenseitig unser Vertrauen zerstört - ich, wenn ich sagte: NAAIN, ich hab keinen Schnaps gekauft, und doch wusste, dass mein Seelenheilmittel hinter den Sofakissen/im Kulturbeutel/in der Nudelschublade ruhte und auf mich wartete. Er, wenn er Fotos von mir machte, während ich meinen Rausch ausschlief, und dabei noch das ein oder andere um mich herum drapierte, um mir weiszumachen, das hätte ich selber getan. Hinterher hab ich gelernt, Gaslighting nennt man das und es ist existenziell zerschmetternd, weil nagend.

Trotzdem, er fehlt auch. Umso mehr, je mehr ich andere Kerle kennen lerne. Intellektuell haben wir uns viel gegeben, auch spielerisch konnten wir uns immer messen. Seine Ratschläge waren rückblickend überraschend oft richtig und ich hab mich erschreckend selten daran gehalten.

Jetzt kämpfen Musik und ich wieder alleine. Er war wohl nur ein Begleiter für kurze Zeit, der heute nichts mehr von mir wissen will.

 

 

5.11.17 16:38


Verluste

Ich hab mitbekommen, dass der von mir verehrte Glumm nach mir gefragt hat, und ich hab mich erst gefreut, dann Bilanz gezogen und schließlich ein bisschen getrauert.

Warum ich nicht mehr schreibe? Mir ist die Kreativität abhanden gekommen. Ich hab nach dem letzten Eintrag hier tatsächlich mit dem Saufen aufgehört. Bin jetzt fast ein Jahr trocken und hab im gleichen Atemzug auch noch andere Sachen rausgeworfen. Lebe wieder alleine, studiere nicht mehr, rauche nicht mehr, singe nicht mehr.

Manches davon ist gut - das meiste sogar. Ich habe jetzt hier alles im Griff. Die Bude ist sauber, die Miete bezahlt, ich erscheine stets pünktlich zur Arbeit und hör mir immer freundlich nickend die Probleme von anderen an. Gleichzeitig fehlt die Scheißegal-Einstellung, die der Schnaps manchmal  zaubern kann. Im Gegenteil, der Kopf rattert noch mehr als früher und lässt sich nur bändigen durch Regeln. Drei Listen hängen im Schlafzimmer, darauf stehen Dinge, die zu tun und zu lassen sind. Eine Liste liegt auf dem Schreibtisch, eine hab ich immer in der Hosentasche. Minimum fünf Mal Sport pro Woche. Minimum drei Kapitel übersetzen pro Monat. Minimum vier Nächte der Woche mindestens zur Hälfte im Bett verbringen. Maximum sieben Mal kotzen pro Woche.

Hinter den Kulissen ist nicht alles wunderbar, aber wo ist es das schon.

Das Leben ist stabil geworden, aber spießig und nicht weniger anstrengend. Es sieht nur schöner aus.

5.11.17 16:06


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