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Stars in their multitude

Also bin ich zurück auf der Straße. Ich bin ein schlechter Runaway. Mir fällt als erstes ein, zu meiner Wohnung zu fahren und da rumzuhocken.

 

Auf dem Weg ist niemand. Ich schluchze mich durch, es ist herrlich, keine Menschenseele, und ich suhle mich in meinem Schmerz. 

 

Ich blicke noch einmal hoch. Stars...oh man, Mummy. 

 

Ab hier wird es kurios und nicht mehr gut. Ich streife so rum, es wird nicht besser. Ich klettere verückterweise auf einen Baumstamm, kann aber trotzdem nicht auf das Garagendach klettern, sondern verknackse mir dabei den Knöchel.

 

 Schließlich liege ich auf dem Bürgersteig. Die Luft ist gut. Es sieht schön aus da oben. Was Jess wohl gerade macht?

24.8.16 13:03


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Nightlife

Der Abend ist schon kacke. Er geht aufs Klo, ich geh raus, ich muss einfach hier raus. Als die Klospülung rauscht, verschließe ich die Tür von außen. Tut mir leid, Jess, du musst heute drinnen bleiben.

 

Draußen atme ich durch. Wohin soll ich gehen? Ich wandere ziellos umher, bis mir klar wird, ich gehe zum Krankenhaus, zurück zu dem Ort, an dem meine Mutter starb. Der Nebeneingang ist verschlossen, ich muss zum Haupteingang. Da sitzt eine wachsame Frau. Ich sage nur: Ich will zur Palliativ - und alle Pforten öffnen sich. Mit der Flasche Schnaps, die ich vorher noch im Kiosk zu überteuerten Preisen gekauft hab, betrete ich die Palliativ. Ich muss schlucken. Mann, hier erinnert echt alles an Mama. Die Schwester kommt auf mich zu, sie vermutet vielleicht einen Störenfried. "Neinnein," beschwichtige ich, "ich will Ihnen gar keine Umstände machen. Es tut mir leid. Ich weiß auch nicht. Es tut mir leid. Es tut mir leid. Kann ich mich vielleicht etwas auf den Balkon setzen?"

 

Auf dem Balkon ist eine andere Patientin. Sie sagt, sie sei schon seit vielen Wochen hier, ich könnte ihr sagen, dass das nicht stimmt. Aber egal. Die Sterne scheinen nur schwach am Himmel. Uschi ist ihr Name. Wir geben einander die Hand. "Oh," sagt sie, und hält meine Hand fest, "deine Hand ist warm wie eine Heiz...wie eine Wärme..." Das Wort fällt ihr nicht mehr ein. Es ist dunkel, und die Sterne sind kaum zu sehen. "Ich hab lange gearbeitet, beim Arbeitsamt." Indeed, ich auch. Es ist aber schwer, aus ihr Jahreszahlen zu bekommen. Sie zündet sich eine Zigarette an, wischt dann hektisch über ihr OP-Shirt. "Ich hab eine Zigarette verloren" Ich beruhige sie, nein, die erste Zigarette liegt noch auf dem Tisch. 

"Und meine Tochter Rabia ist eine gute Mutter. Ich wünscht. e, mein Beruf wäre, nur nachts nach den Babys zu sehen. Das könnte ich gut."

Uschi sieht im Dunkeln aus wie 45. Ich frage sie, und sie lacht: "Ich bin 72. Ja, 72...vor vier Jahren hab ich noch gearbeitet."

 

Es geht Uschi zusehends schlechter. Sie greft sich an den Magen. "Oh, das kneift aber". In ihrer Tasche liegt die Medikamentenpumpe. Ich laufe mit der Taschenlampe im Handy herum und helfe Uschi, ihre Medikamentenpumpe zu erreichen. "Bolus", stöhnt sie, "Bolus". Ihre manikürten Fingernägel rutschen von der Bolus-Taste immer ab, also drücke ich.

 

Die Schwester kommt zurück. "Was ist das denn hier, warum liegt die Pumpe hier?" Sie guckt kritisch. "Wer hat die rausgeholt und was gedrückt?"

Uschi hebt den Finger: "Das war ich!", behauptet sie fest. Danke, Uschi.

 

Uschi fallen die Augen zu. Sie guckt sich die Blumen an und verwechselt alles. Die Schwester fährt sie ins Bett. "Bis morgen!" ruft sie mir zu. "Bis morgen!"

24.8.16 10:46


Sooooo sa...finito.

Was wir haben, ist ein Kommunikationsproblem.

 

Ich rufe: Hilf mir! Nimm mich in den Arm, bleib bei mir! - aber ich kommuniziere: Hau du bloß ab, du verstehst eh nicht, wie ich mich fühle.

 

Er sagt: DU bist krank. Hau ab. Du bist echt die letzte Sau auf Erden. Er meint: Red mit mir, bezieh mich mit ein. Komm her, ich hab eine starke Schulter.

 

Zumindest stell ich mir das so vor.

24.8.16 10:23


The Trauer and so on

Die Zeit danach rennt vorbei.

 

Mamas Beerdigung ist vorbei, ich addressiere Briefumschläge. Irgendwie eine Generation vor mir.

 

Dann geht alles weiter. Ich unterrichte, alles ist gut. Aber auf dem Weg zum Unterricht erinnere ich mich daran, wie ich in Afrika war, in den Fängen eines brutalen Mannes, der ein ganzes Dorf und die ganze Hilfsorganisation in seiner Hand hatte. Afrikaner stehen früh auf, und das Handy ist günstig, also rief ich jeden Morgen um sieben europäischer Zeit meine Mama an und holte mir von ihr meine Beruhigung, um den Tag zu überstehen. Mama hörte immer zu und sagte: Mach das so und so - dann wird das schon gehen. Und es ging.

 

Wen ruf ich denn jetzt an, wenn ich eine Beruhigung brauche? 

 

 

23.8.16 07:57


Disappearance

Mein Vater steht am Esstisch. Seine Stimme bricht. "Ich habe meine Mutter und meine Frau zu Grabe getragen. Ich will nicht noch meine Tochter beerdigen."

 

Nein, das will ich auch nicht, Papa. Aber ich kann nicht mehr. Warum leben? Es ist eine Aneinanderreihung von Qualen. Jeder Tag ist scheiße. Ich muss gucken, dass ich hier niemandem auf die Füße trete, obwohl es wohl eher so aussieht, als würde ich mich gerade so breit machen wie möglich.

 

Ich rufe die verrücktesten Leute an. Ich schreibe mit komischen Typen, die ich nicht kenne und nicht kennen lernen will. Ich möchte doch nur, dass mich einer in den Arm nimmt. Und gleichzeitig will ich ganz weit weg sein, alleine. Nimm mich in den Arm, aber berühr mich dabei bitte nicht.

 

Ich schlucke die dreifache Tablettendosis. Hilft auch nicht. Irgenwas muss hier passieren...ich kann nicht mehr.

15.8.16 12:06


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